Coesfeld
„Das war ein Schock für mich“

Coesfeld / Münster. Ein schwerer Drogenkonsum hat sich bisher durch das gesamte Leben des 37-jährigen Angeklagten gezogen. Das sagten gestern die psychiatrischen Gutachter beim Landgericht Münster im Prozess gegen den Coesfelder aus, dem unter anderem versuchter Mord vorgeworfen wird.

Dienstag, 21.05.2019, 07:28 Uhr

Doch die Sucht habe keinen Einfluss auf das Tatgeschehen am K+K-Markt an der Wiesenstraße im September des vergangenen Jahres in Coesfeld und wenige Tage später am Bremer Platz am Bahnhof in Münster gehabt, bestätigten die Gutachter. Eine Persönlichkeitsänderung sei bei der Untersuchung des Angeklagten nicht erkennbar gewesen. Im Gegenteil. Die psychologischen Gutachter bescheinigten dem 37-Jährigen eine überdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit und einen kontrollierten Eindruck.

In Coesfeld soll der Angeklagte den Begleiter einer Frau, die ihm einen Hund in Pflege gegeben haben soll, mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen haben, wobei sich das Opfer (52) eine Schnittwunde zugezogen hat. Das Opfer sagte gestern aus, dass er zusätzlich vom Angeklagten völlig unvermittelt auf die Straße geschubst worden sei. Der Angeklagte hatte angegeben, dass es Unstimmigkeiten darüber gegeben habe, ob er den Hund behalte dürfe. Die Hundebesitzern räumte ein, dass sie „sauer“ auf den Angeklagten gewesen sei. Sie habe daher laut gerufen: „Da ist der Hundeklauer.“

Sie selbst habe aber nicht damit gerechnet, dass der Angeklagte mit Gewalt gegenüber ihrem Partner reagieren würde. „Das war ein Schock für mich“, sagte das schmächtige Opfer, das sich selbst als Alkoholiker bezeichnete. Er habe schließlich gemeint, dass es das Beste gewesen wäre, wenn der Angeklagte den Hund behalten hätte. Er wollte schließlich mit seiner ebenfalls alkoholabhängigen Partnerin eine Entzugstherapie machen. Unter diesen Umständen wäre das Tier nur im Weg gewesen.

Ein junger Zeuge, der mit seinem Auto am Tag des Vorfalls im September 2018 auf der Wiesenstraße unterwegs gewesen war, bestätigte, dass das Opfer auf die Straße geschubst worden sei, so dass er selbst mit seinem Fahrzeug hätte ausweichen müssen, um den auf der Straße liegenden Mann nicht zu überfahren.

Zielgerichtetes Handeln bescheinigten die Gutachter dem Angeklagten, weil er nach seiner Messerattacke in der Nähe des Bahnhofs Münster selbst die Polizei aufgesucht und sich als Opfer dargestellt habe. Der 37-Jährige soll zuvor dem Begleiter seiner Ex-Freundin einen Messerstich versetzt haben. Ob Eifersucht ein Motiv dafür gewesen sein könnte, konnte in der Verhandlung bisher nicht geklärt werden.

Die Verhandlung wird am Dienstag (28.5.) fortgesetzt.

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