Coesfeld
SPD stürzt auch in Coesfeld ganz tief ab

Coesfeld. „Das ist sensationell“, frohlockt Grünen-Ortsverbandschef Norbert Vogelpohl. „Das ist eine Katastrophe“, klagt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Hermann-Josef Vogt. Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt bewegt sich gestern Abend die Stimmung im Coesfelder Rathaus. Die Europawahl hat auch in der Kreisstadt für politische Erdrutsche gesorgt. So haben die Grünen erstmals bei Wahlen in insgesamt vier Stimmbezirken (Briefwähler nicht eingerechnet) sogar die CDU überflügelt. Die SPD hingegen erlebt auch bei uns ihre bitterste Niederlage. Sie verliert in Coesfeld noch stärker als im Bund.

Montag, 27.05.2019, 00:56 Uhr
Coesfeld: SPD stürzt auch in Coesfeld ganz tief ab
Foto: Detlef Scherle

Die Grünen feiern bis spät in die Nacht im Café Central. „Es tanzt aber niemand auf den Tischen“, erklärt Vogelpohl, denn allen sei bewusst, „dass aus dem Ergebnis jetzt auch eine Erwartungshaltung folgt. Wir werden zukünftig daran gemessen.“

Jeder Vierte hat Grün gewählt in Coesfeld, die meisten im Nordwesten der Stadt (38,1 Prozent im Stimmbezirk 81, Ludgeri-Schule). Für Vogelpohl geht davon auch eine Botschaft für Coesfeld aus, den Klimaschutz vor Ort noch konsequenter voranzubringen. Die Grünen erwägen – ähnlich wie in Münster – auch vom Coesfelder Rat symbolisch den „Klimanotstand“ ausrufen zu lassen. „Da werden wir nicht mitmachen. Da sollten wir global denken“, lehnt Norbert Hagemann, Sprecher der CDU das ab. Und auch Bürgermeister Heinz Öhmann hält nicht viel von Symbolpolitik: „Das müssen wir inhaltlich füllen.“ Der Begriff „Notstand“ geht für Wilhelm Korth, den Stadtverbandsvorsitzenden der CDU, „völlig am Thema vorbei.“ Und Vogt von der SPD stößt ins selbe Horn: „Das wäre übers Ziel hinausgeschossen.“

Alle sind sich aber einig, dass der Klimaschutz das bestimmende Thema dieses Wahlkampfs war. Korth analysiert, dass es der Union nicht gelungen sei, „die Menschen auf einer emotionalen Ebene mit ihren Themen zu erreichen“. Ansonsten zeigt er sich ratlos, was die Gründe für die schweren Stimmenverluste auch für die Coesfelder CDU angeht. Sie hat in manchen innerstädtischen Bereichen nur noch ein Viertel der Wähler erreicht.

Vogt von der SPD verlangt von der Führung seiner Partei in Berlin, nun „mehr Profil, mehr Kante“ zu zeigen. Und das Spitzenpersonal – ist das noch das richtige? Eine klare Antwort gibt er auf diese Frage nicht. Nur soviel: „Frau Nahles muss selbst überlegen, ob sie noch die Richtige an der Spitze von Fraktion und Partei ist.“

„Ganz zufrieden“ mit dem Abschneiden seiner Partei zeigt sich Wolfgang Kraska (FDP-Ortsvereinschef). Besonders freut ihn – wie alle anderen Befragten, dass Rechtspopulisten in Coesfeld klein gehalten wurden – auch dank einer relativ hohen Wahlbeteiligung. „Die haben in Coesfeld kein Land gewinnen können“, bringt es Bürgermeister Heinz Öhmann auf den Punkt. So hat die AfD nur 4,2 Prozent erreicht. Bei der letzten Bundestagswahl waren es schon einmal 5 Prozent.

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