Coesfeld
„Crashkurs“ in Pedelec-Sicherheit

Coesfeld. Schnell in den Turbo geschaltet und ruckzuck ist das Fahrrad mit dem eingebauten Rückenwind bei 25 km/h angelangt. Die Straße ist frei. Doch dann: An einer Bushaltestelle läuft eine Frau gedankenverloren rückwärts auf die Straße und schon ist es passiert. Ein Zusammenstoß ist trotz Vollbremsung nicht mehr zu verhindern. Zum Glück ist alles nur eine Simulation, die viele Interessierte gestern am Stand der Kreispolizeibehörde erlebt haben. Anlässlich des Tages des Fahrrads haben die Beamten an der Kupferpassage rund um E-Bikes und Pedelecs informiert. Im wahrsten Sinne des Wortes ein „Crashkurs“ in Sachen Sicherheit.

Dienstag, 04.06.2019, 10:58 Uhr
Coesfeld: „Crashkurs“ in Pedelec-Sicherheit
An der Hansestraße kontrollieren hier die Bezirksbeamten (v.l.) Peter Ploß und Andreas Klöpper das Pedelec von Edeltraud Meinhard. Alles in Ordnung. Gute Fahrt! Foto: az

„Am Monitor wird eine Fahrt simuliert, um den Menschen ein Gefühl für Geschwindigkeit und Reaktionsverhalten zu geben“, sagt Stephanie Schlusemann von der Kreispolizeibehörde. Seit knapp zwei Stunden ist sie mit ihren Kollegen Jürgen Sicking und Peter Emming erst vor Ort und hat schon 30 Beratungsgespräche geführt sowie Radfahrer den Simulator testen lassen. „Das wird wirklich gut angenommen“, freut sich Schlusemann. „Und die Leute wollen heutzutage so viel wissen.“ Zum Beispiel: Eine Dame erkundigt sich, unter welchen Voraussetzungen sie mit ihrem E-Dreirad in der Fußgängerzone fahren dürfe, da sie es ja nicht schieben könne. Ein Herr möchte wissen, ob Rennräder ohne Licht und Klingel überhaupt auf die Straße dürfen. „Gesetzlich nicht“, sagt Schlusemann klipp und klar. Die wichtigsten Fragen sind auch auf der Stellwand des Infostandes aufgelistet und beantwortet.

Nächster Versuch im Simulator: Wieder sind die 25 km/h schnell erreicht. Doch die Anspannung ist größer. Plötzlich setzt ein Auto rückwärts auf die Straße. Vollbremsung. Diesmal noch rechtzeitig. „Gut reagiert“, ist auf dem Monitor zu lesen. Auch Karl Burken ist neugierig geworden und setzt sich auf das Pedelec vor den Monitor. Bei ihm wäre es ebenfalls mit der Frau an der Bushaltestelle zum Zusammenstoß gekommen. „Das geht echt flott. Da passend zu reagieren, kann schon zum Problem werden“, staunt Burken, der deshalb aber die Polizeiaktion lobt.

Insgesamt kontrolliert die Polizei am Montag kreisweit schwerpunktmäßig Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes. So auch die Bezirksbeamten Peter Ploß und Andreas Klöpper, die seit 7 Uhr im Stadtgebiet unterwegs sind und gerade an der Hansestraße Radler anhalten. Das Rad eines jungen Mannes hat an den Speichen schon etwas Rost angesetzt. Doch Licht und Bremsen funktionieren. Er darf weiterfahren.

„Ganz schöner Betrieb heute“, staunt Peter Ploß. „Wir haben jetzt hier 25 Fahrräder angehalten. 20 davon waren Pedelecs“, erzählt Andreas Klöpper. Nur drei Verstöße habe es gegeben: Wegen Mängeln am Rad und der Nutzung der falschen Seite des Radwegs. „Es gibt auch kaum noch mittelalte Fahrräder. Entweder ganz neue oder ganz alte Schätzchen“, hat Ploß beobachtet.

„Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Die meisten Leute meinen, es sollte viel mehr kontrolliert werden“, sagt Klöpper. Auch die nächste Dame lässt sich mit ihrem Pedelec nichts zu schulden kommen. „Ich bin fast nur mit dem Rad unterwegs und oft mit viel Gepäck“, sagt Edeltraud Meinhard. Und dazu hat sie auch noch eine Frage: „Gibt es da Strafen für Überladung?“ „Nicht solange das Fahrrad jederzeit noch beherrschbar ist“, antwortet Andreas Klöpper. Auch mit zwei Einkaufstüten am Lenker.

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