Coesfeld
Rechtspopulisten demonstrieren – Antoniner weichen

Coesfeld. Der traditionelle Große Zapfenstreich anlässlich des Schützenfestes der St. Antonius Schützenbruderschaft findet am kommenden Samstag erstmals nicht auf dem Marktplatz, sondern im Schlosspark statt. Hintergrund ist eine Kundgebung, die die rechtspopulistische „Bürgerbewegung Pax Europa“ mit Sitz in Naumburg (Sachsen-Anhalt) vor dem Rathaus abhalten will. Ursprünglich wollte sie dort von 11 bis 18 Uhr „über den politischen Islam aufklären“, wie sie das vor rund sieben Monaten – unter großem örtlichen Protest – schon einmal getan hat. Am 3. November 2018 standen 21 überwiegend auswärtigen Kundgebungsteilnehmern über 500 Coesfelder, darunter Vertreter aller Ratsfraktionen und der Kirchen, mit Trillerpfeifen und Transparenten entgegen und nahmen den hiesigen Türkisch-Islamischen Kulturverein wegen seiner (zwischenzeitlich verworfenen) Moscheebaupläne in Schutz (wir berichteten). Worum es „Pax Europa“ bei der Neuauflage der Demo genau geht, blieb gestern unklar. Eine Anfrage unserer Zeitung beantwortete die Organisation nicht. Wie die Polizei bestätigte, ist als Redner wieder der Rechtspopulist und Pegida-Mann Michael Stürzenberger aus München vorgesehen, der wegen islamophober Umtriebe vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zuletzt war er 2017 vom Amtsgericht Duisburg wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Dienstag, 18.06.2019, 07:44 Uhr

Die Ordnungsbehörde der Stadt hat nach dem Hinweis der Polizei auf die Demo-Anmeldung mit dem Schützenverein gesprochen. „Die Route wird etwas anders verlaufen als in den Vorjahren. Das ist auch im Hinblick auf die Baustelle an der Letter Straße geschehen (der Zugang zum „Quartier“ bei Haselhoff ist eingeschränkt). Der Zapfenstreich wird in diesem Jahr im Schlosspark stattfinden, die Umzugsroute deshalb den Bereich Markt/Viehstraße nicht berühren“, teilte Stadtsprecherin Andrea Zirkel mit.

Wegen der Demo wäre die Verlegung eigentlich nicht notwendig gewesen, erklärte Rolf Werenbeck-Ueding, Sprecher der Polizei. Denn im Kooperationsgespräch mit der Anmelderin sei das Kundgebungs-Ende für 15.30 Uhr vereinbart worden. Das sei „immer eine Abwägung verschiedener Rechtsgüter“, erläuterte er. Das Demonstrationsrecht auf der einen, die Traditionsveranstaltung auf der anderen Seite. Durch die zeitliche Begrenzung der Demo habe die Polizei beides ermöglichen wollen. Die Antoniner halten trotzdem an der mit der Stadt vereinbarten neuen Route fest. „Wir haben kein Interesse, denen auf dem Markt zu begegnen“, meinte 1. Brudermeister Heiner Kloster. | Kommentar

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