Coesfeld
Kleine Härchen, großer Ausschlag

Coesfeld. Außer absaugen und verbrennen helfe aktuell gar nichts. Und das sei sowohl zeitlich als auch finanziell sehr aufwendig. Die Rede ist vom Eichenprozessionsspinner, dem Theo Reckert, Leiter des Baubetriebshofes, und sein Team aufgrund des hohen Befalls und zahlreicher anderer Aufgaben, wie dem Gießen von Pflanzen bei der Hitze und dem Entfernen der Sturmschäden aus der vergangenen Woche, momentan nur bedingt zuleibe rücken können. „Wir konzentrieren uns auf kritische Punkte wie Schulen und Spielplätze, dort, wo auch viele Kinder unterwegs sind. Es müssen sowohl die Raupen als auch die Nester entfernt werden und mittlerweile ist ja jede zweite Eiche im Münsterland befallen.“

Mittwoch, 26.06.2019, 11:00 Uhr
Coesfeld: Kleine Härchen, großer Ausschlag
Der Eichenprozessionsspinner zwischen Lette und Coesfeld. Foto: mwa

Dabei sei der Eichenprozessionsspinner kein Fremdling. „Den gab es immer schon, er ist nur nie so groß in Erscheinung getreten.“ Die Population habe sich über Jahre aufgebaut, die Insekten seien wärmeliebend. „Wir hoffen, dass die Population bald zusammenbricht, aber ich befürchte, dass wir lernen müssen mit ihm zu leben“, so Theo Reckert. Bis zu zwei Jahre können die kleinen Brennhärchen aktiv sein. „Meine Mitarbeiter können ein Lied davon singen, wenn sie noch alte Nester entfernen.“

Auch wer keine Nester entfernt, kann von den Härchen erwischt werden, die gerne mal durch die Luft wirbeln. Da helfe nur duschen, Kleider wechseln und darauf achten, dass kein Härchen hängen bleibt, erklärt Dr. Ludger Höing aus dem Vorstand des Coesfelder Ärzterings. „Wir haben auch schon die ersten Patienten mit stark ausgeprägtem Ausschlag bei uns in der Praxis gehabt. Im Regelfall helfen aber zunächst Kortison-Cremes oder Antihistaminika zum Beispiel in Tablettenform, die die allergischen Symptome lindern und die es frei verkäuflich in der Apotheke gibt. Es bilden sich kleine Quaddeln, ein knötchenförmiger Ausschlag wie bei anderen Insektenstichen, aber flächiger.“ Im Regelfall verschwinden der Juckreiz und das Brennen von alleine wieder, allerdings brauche es etwas mehr Geduld, wie Hautarzt Prof. Dr. Meinhard Schiller ergänzt. „Eine gute Woche bis zehn Tage dauert es schon. Es ist ausgeprägter als normale Insektenstiche, die Masse macht da den Unterschied.“ Kühlende Umschläge seien ebenso eine erste Maßnahme. Auch bei ihm seien schon die ersten Patienten gewesen. „Da war der Ausschlag wirklich schon sehr ausgeprägt, da verschreiben wir dann noch andere Medikamente. Ich habe das Gefühl, dass wir im Vergleich zum Vorjahr schon mehr Patienten deswegen hatten.“

Auch Kreisapothekensprecher Dr. Stephan Barrmeyer ist das Thema nicht fremd. „Wer mit den Härchen in Kontakt gekommen ist, hat häufig allerdings erst in der Nacht oder am nächsten Tag die typischen Beschwerden. Zwischen Kontakt und ersten Symptomen vergehen in der Regel mehrere Stunden, sodass der Zusammenhang oft nicht erkannt wird“, klärt er weiter auf. Sind Raupenhaare ins Auge gelangt, rät er, einen Augenarzt aufzusuchen, bei Reizung der Atemwege durch das Einatmen, sollten Betroffene zum Hausarzt gehen.

Bis sich die Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner legt, dauere es noch etwas, wie Theo Reckert ergänzt. „Erst Anfang, Mitte August wird aus der Raupe dann ein Falter.“

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