Coesfeld
„Theo“ und „Nepo“ tief enttäuscht von der Stadt

Coesfeld. Die Stellungnahmen der Schulen sind mehr als deutlich: „Der Vorschlag kann in Hinblick auf die Interessen der Schulgemeinschaft nicht akzeptiert werden“, heißt es von Seiten der Theodor-Heuss-Realschule. Und das Gymnasium Nepomucenum stellt klar: „Der Auftrag, eine moderne Schule zu gestalten, die für die nächsten 40 Jahre Bestand haben soll, ist mit dem Vorentwurf nicht zu erfüllen.“ Die Kritik zielt auf die Stadtverwaltung, die nach zwei Sitzungen des Arbeitskreises, der sich mit den Kostensteigerungen für die Sanierung und Modernisierung des Schulzentrums an der Holtwicker Straße befasst hat, nun einen Vorschlag unterbreitete. Darüber soll der Rat in seiner nächsten Sitzung entscheiden.

Mittwoch, 26.06.2019, 17:01 Uhr

Bekanntlich lagen die Kostenschätzungen für die Baumaßnahmen an dem teilweise denkmalgeschützten Gebäude-Komplex am Ende bei 78 Millionen Euro. Bürgermeister Heinz Öhmann will sie auf 50 Millionen Euro deckeln, weil sonst die Finanzen der Stadt in eine Schieflage geraten könnten. „Wir müssen die Kosten im Griff behalten“, stellt er im AZ-Gespräch klar. Maximal 50 Millionen Euro aufzuwenden, sei vor dem Hintergrund der zu erwartenden Fördermittel, der guten Liquidität der Stadt und entsprechender Rückstellungen „gerade noch vertretbar“, erklärt er. Er hebt hervor, dass in den nächsten Jahren ja auch noch eine Reihe anderer Investitionen anstünden, die sich auf 60 bis 80 Millionen Euro summierten. Nur einige Beispiele: Auch für das Heriburg-Gymnasium werden noch rund 10 Millionen Euro fällig, für die Feuerwehr sind 7,5 Millionen Euro zu berappen, mit 6 Millionen Euro wird für die Sanierung der Fußgängerzone kalkuliert und der Bauhof benötigt für rund 4 Millionen Euro neue Fahrzeuge.

Um für das Schulzentrum eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen, wurden in dem Arbeitskreis, in dem auch die Schulen vertreten waren, die verschiedenen Bau-Module miteinander kombiniert, um zu prüfen, wo und wie Geld eingespart werden und trotzdem auch pädagogisch vieles verbessert werden kann. Sechs Kombinationen kamen dabei heraus. Nur eine, nämlich das „Basis“-Modell, überschreitet die vom Bürgermeister vorgegebene Linie von 50 Millionen Euro nicht. Auch der für die Schulen zuständige Beigeordnete Dr. Thomas Robers hält dieses Modell für vertretbar. „Mit der Ergänzung um die Mensa und einen Anbau für G 9 werden wir eine sehr gute Schule haben“, stellt er klar. Und der Bürgermeister ergänzt, dass sie dann auch den Vergleich mit dem privaten Pius-Gymnasium nicht scheuen müssten. Sein Fazit: „Insgesamt stellt auch die Modernisierung des Schulzentrums in der Kombination 1 Basis für die Stadt Coesfeld somit nicht nur eine enorme Kraftanstrengung dar, sondern mit ihr werden auch gute Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten Unterricht beider Ganztagsschulen geschaffen.“

Die Schulen sehen das anders. Sie sind vor allem tief enttäuscht darüber, dass sie sich bisher im Planungsprozess stark eingebracht haben – und von ihren Vorschlägen nun aus Kostengründen nur ganz wenig realisiert werden soll. „Es ist mühselig und demotivierend, wenn wir immer wieder darauf hinweisen, dass Planungen geändert werden sollen, weil moderne Schule sonst nicht funktioniert, die sachlichen Einwände mit dem Hinweis auf die Wirtschaftlichkeit aber verworfen werden“, drückt es „Theo“-Leiterin Astrid David aus. Öhmann und Robers können den Frust verstehen. Aber: „Man kann nicht alle Wünsche wirklich erfüllt bekommen“, so der Bürgermeister. Er hofft nun auf eine breite Zustimmung im Stadtrat für seinen Vorschlag.

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