Coesfeld
Sagen und Legenden von Berkel bis Nil

CoesfelD. Der Pulverturm in Coesfeld stammt als Relikt der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Sagen und Legenden, die im Schatten des Pulverturms von Anne Grütters, Valentin Merschhemke und Monika Endler vorgetragen wurden, waren zum Teil noch älter. „Von Meerjungfrauen und Wassermännern“ hatte das lesefreudige Trio den Abend getauft. Dazu wurden passende Lieder zusammen mit den rund 80 Besuchern gesungen, die Hans Noster musikalisch begleitete.

Donnerstag, 01.08.2019, 20:06 Uhr
Coesfeld: Sagen und Legenden von Berkel bis Nil
Sorgten für einen interessanten Abend: (v.l.) Hans Noster, Anne Grütters, Valentin Merschhemke und Monika Endler (r.). Foto: az

Der Arbeitskreis Kultur und Freizeit des Stadtmarketing Vereins Coesfeld und der Heimatverein Coesfeld als Veranstalter hatten nicht nur den Ort mit Sicht auf die Berkelumflut passend ausgewählt, sondern auch das passende Wetter bestellt. Der langersehnte Regen ergoss sich mittendrin, aber die Organisatoren hatten mit Zelten und Schirmen vorgesorgt. So konnten die Besucher die eigens kreierte Berkelbowle genießen und den Ausführungen der drei Akteure lauschen.

Vor allem die Legende um „Die Mühle des Teufels“ an der Berkel, die Grütters vorstellte, faszinierte die Besucher. „Müller sein, war früher ein unehrlicher Beruf, da er mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde“, schob Grütters vorweg. Der Teufel baute in dieser Sage einem armen Bauern für die Abgabe des Zehnten seiner Einnahmen eine Mühle. Der Bauer war fleißig, verweigerte aber die Abgabe des zehnten Teils seines Gewinns. Daraufhin ließ der Teufel die Mühle mitsamt dem Müller im Fluss versinken. Das gemeinsam gesungene Lied „Es klappert die Mühle“ passte danach natürlich sehr gut.

Um die Missachtung des Abkommens mit einem „Wasserweibchen“ ging es in der nächsten Geschichte, die sich in Ahaus an der Aa abgespielt haben soll. Ein armer Bauer fischte in der Aa für den Eigenbedarf, bis ihm ein Wasserweibchen einen goldenen Angelhaken gab. Auch sie vereinbarte mit dem Bauern die Abgabe des Zehnten. Der Bauer kam zu Reichtum, wurde geizig, vergaß das Versprechen und verlor den goldenen Angelhaken. „Deshalb meint man in Ahaus, dass seitdem keine Fische mehr in der Aa sind“, ergänzte Monika Endler.

Die Gänse als Symbol für den Heiligen Ludgerus verwiesen schon in der Dekoration vor dem Vorlesertisch auf eine weitere Geschichte aus der Region, die mit Billerbeck und dem Ludgerusbrunnen zu tun hatte. Weiter weg ins Münsterland führte die tragische Geschichte um die Heilige Reinhildis, deren Leichnam von Ochsenkarren zu einem unbewohnten Ort gebracht wurde, an dem Riesenbeck gegründet wurde. Ganz exotisch wurde es, als Edith Eckert-Richen, Vorsitzende des Heimatvereins, mit zwei weiteren Damen als „Frauen vom Nil“ auftraten. Sie verspritzten Nilwasser auf die Besucher.

Geschichten über die Paderquelle in Paderborn, die Sage um die Lorelei und die Entstehung des „Heiligen Meeres“ in Recke machten den Abend noch spannender. Mit diesem erkenntnisreichen Sagen-, Legenden- und Liederabend wurde eine Tradition aufgegriffen, die Josef Vennes, langjähriger Vorsitzender des Heimatvereins und ehemaliger Bürgermeister, begründet hatte. Fortsetzung könnte folgen.

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