Coesfeld
Das Türmchen fällt zum Jahresende

Coesfeld. Die Beschlüsse waren zwar vom Stadtrat schon gefasst, das Schicksal des alten Bahnhofs besiegelt – aber jetzt kann man bald seine letzten Tage wirklich zählen. Bis Ende dieses Jahres soll das markante Türmchen, um das so viel gestritten wurde, fallen, das Empfangsgebäude dem Erdboden gleich gemacht werden – 109 Jahre nach seiner Eröffnung. Im Dezember rücken die Abbruchbagger an.

Sonntag, 04.08.2019, 10:54 Uhr
Coesfeld: Das Türmchen fällt zum Jahresende
Im Oktober beginnt die Entkernung des alten Bahnhofsgebäudes. Der Abriss erfolgt ab Dezember. Im Frühjahr soll es dann nahtlos weitergehen mit dem Neubau. Für alle Flächen des 1. Bauabschnitts (rechter Gebäuderiegel) gibt es bereits potenzielle Mieter. Foto: Archiv/Visualisierung: Evers Architekten

„Der Zeitplan für das Neubauprojekt steht“, berichtet Architekt Johannes Evers auf Nachfrage. Er kann jetzt auf Grund und Boden weiterplanen, der der Investorin, der H+T Konzeptbau GmbH & Co. KG aus Vreden, auch schon gehört. Das Notar-Siegel prangt auf dem Kaufvertrag, den sie mit der Immobilientochter der Deutschen Bahn AG geschlossen hat. Die Bahn besitzt nun nur noch die Gleisanlagen und Bahnsteige. Das Altgebäude ging in den Besitz der H+T Konzeptbau über; die Stadt Coesfeld hält noch Teilanteile, insbesondere den Vorplatz.

Die Abbrucharbeiten werden laut Evers gut drei Monate dauern. Direkt danach soll es – je nach Witterung schon im Februar 2020 – mit dem 1. Abschnitt des Neubaus losgehen. Das ist der Teil, der im Wesentlichen auf dem Platz errichtet wird, auf dem derzeit das Altgebäude steht. Von der Hansestraße aus betrachtet rückt das Gebäude allerdings etwas nach rechts in Richtung ehemaliges Café Braun. Da, wo jetzt noch die Fahrradständer sind, wird es dann künftig keinen Durchgang zu den Gleisen mehr geben.

„Der Fahrkartenverkauf der Bahn geht während des Abrisses und Neubaus weiter“, hat Evers eine gute Nachricht für Bahn-Kunden. Das DB-Reisezentrum zieht für diesen Zeitraum in einen Container um, der auf dem Parkplatz links von der Baustelle aufgestellt wird. Später zieht es wieder ins neue Gebäude ein. Auch ein Sozialraum der DB Westfalen Bus wird dann wieder unter dem Neubaudach Platz finden.

Sehr erfreut ist Evers darüber, dass der Investor bereits für die Flächen des kompletten 1. Bauabschnitts Mietinteressenten gefunden hat. „In Kürze sollen die Verträge unterschrieben werden“, berichtet er. Und auch für den zweiten Bauabschnitt gebe es schon Anfragen. Ross und Reiter wollte er mit Hinweis auf noch fehlende Unterschriften nicht nennen. Nur so viel: Gastronomie, Beratung, Handel, Medizin, Büros und Wohnnutzung (rund zehn Einheiten) – alles sei dabei. Die künftigen Mieter schätzten an dem Standort vor allem die gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV für Kunden und Mitarbeiter, die hohe Passantenfrequenz von derzeit täglich rund 5000 Menschen aufgrund des Bus- und Bahnbetriebs (wichtig für die Gastronomie) und den Charme eines neuen urbanen Quartiers. Das ist auch das Konzept. Evers: „Wir setzen auf eine hochwertige diversifizierende Nutzung, damit auch der Platz permanent belebt ist.“ Dadurch ergebe sich eine hohe Sozialkontrolle. Das könnte einen Trend vom bisherigen Problem-Bereich zum In-Viertel einleiten. Die Investorin und die Mieter in spe glauben daran, dass das funktionieren wird.

Evers rechnet für den 1. Bauabschnitt mit etwa 20 Monaten Bauzeit. „Im Spätsommer 2021 wollen wir fertig sein“, haben er und die Investorin sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Und bei der derzeitigen Nachfrage kann er sich sogar vorstellen, dass etwas zeitversetzt auch schon parallel mit dem Bau des 2. Abschnitts, der den Platz zur ehemaligen Güterabfertigung hin begrenzt, begonnen werden kann.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zurzeit arbeitet sein Büro unter Hochdruck am Bauantrag für den ersten Abschnitt, der in Kürze eingereicht werden soll. Und wenn der genehmigt ist, soll im Oktober und November schon mal die Entkernung des Altgebäudes beginnen werden. Um Baustoffe recyceln zu können, werden sie sorgsam getrennt, erläutert Evers, dass das heutzutage nicht mehr so wie früher läuft, wo einfach sofort die Abrissbirne angesetzt werden konnte. | Kommentar

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