Coesfeld
„Eine Nacht voller Seligkeit“

Coesfeld. Mit der „Schicksalsmelodie“ aus dem Film „Love Story“ beginnt romantisch ein literarisch-musikalischer Abend im Rahmen des „Treffpunkts Literatur“, der in einer Mischung aus Nachdenklichem und Amüsantem einen weiten Bogen spannt „Vom Anfang bis zum Ende der Liebe“, so das Thema des Abends.

Mittwoch, 14.08.2019, 17:54 Uhr
Coesfeld: „Eine Nacht voller Seligkeit“
Einen geschmackvollen literarisch-musikalischen Liebescocktail präsentieren (v. l.) Harald Sumik, Freddie Pieper, Jenny Heimann und Harald Schönfelder mit Charme, Witz und großartigen Stimmen in der Stadtbücherei. Foto: Ursula Hoffmann

„Coesfeld interessiert sich scheinbar sehr für die Liebe“, freut sich Jenny Heimann bei der Begrüßung des Publikums im vollbesetzten Foyer der Stadtbücherei. Klar, das Thema zieht immer und wenn die Facetten der Liebe vom ersten Flirt über Höhen und Tiefen bis zum bitteren Ende durch Tod oder Auseinanderleben in einem so geschmackvollen Cocktail serviert werden wie vom „Musikalischen Literatett“, dann kann man nicht anders, als mit versonnenem Lächeln dieser Reise durch die Liebeslyrik zu folgen.

„Literatainment“ nennen die vier Künstler die Mischung aus Rezitation, Musik und Gesang, deren Reiz zum einen in der Wiederbegegnung mit vielen bekannten Liedern und Texten von Heine über Erich Fried bis Ringelnatz, der so zärtliche Spitznamen wie „Muschelkalk“ erfand, liegt und zum andern in der großen Vortragskunst. Jenny Heimann führt charmant durchs Programm, ordnet Texte und Lieder ein in ihren Zusammenhang und trägt auch eigenen Geschichten vor, wie die von einer eher desillusionierenden Wiederbegegnung mit der ersten Liebe bei Facebook.

Harald Schönfelder betört mit sonorer Stimme, die mit großer Intensität Gefühle malt, aber auch ironische Klänge bestens herausarbeitet. Pianist Harald Sumik gibt Liedern wie auch seinen Eigenkompositionen mit schön herausgearbeiteten Akzenten eine unverwechselbare Note. Klasse das Zusammenspiel mit Sänger Freddie Pieper, in dessen warmer, raumfüllender Stimme das Publikum vom ersten Lied an begeistert badet. Egal ob Klassiker wie „Du bist die Welt für mich“, große Hits wie „Nights in White Satin“ oder Schlager wie „17 Jahr, blondes Haar“, Pieper findet seine eigen mitreißende Art der Interpretation. Schön, wie leise harmonisch das Publikum ihn bei „Dat du min leevsten büst“ begleitet.

Lieder und Geschichten und Gedichte ergänzen und bereichern sich gegenseitig. So trägt Schönfelder versonnen Brechts „Erinnerung an die Marie A.“ vor und Pieper lässt eine eigene Vertonung folgen – besonders da stört der Applaus, schöner wäre es, man könnte diesem Programm aus einem Guss ohne Unterbrechungen lauschen.

Auch Frauen haben sich lyrisch mit der Liebe beschäftigt wie Else Lasker-Schüler oder Mascha Kaleko, denen Heimann eine feinfühlige Stimme gibt. Und mit Robert Gernhardt zieht sie ein schmunzelndes Fazit: „Weshalb Frauen auf die Männer pfeifen, das ist klar wie Kloßbrühe.“ Dank an das Literatett für diese „Nacht voller Seligkeit“.

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