Coesfeld
Brückenheilige im Dauerstress

Coesfeld. Heilige haben’s schwer. Nicht nur zu Lebzeiten, als viele verfolgt wurden und als Märtyrer in den Tod gingen. Heutzutage erleiden sie als Statuen ein ähnliches Schicksal. In Coesfeld stehen insbesondere vier Brückenheilige unter Dauerstress. Vandalismus macht den Figuren aus Baumberger Sandstein zu schaffen, aber auch die Luftverschmutzung und die zunehmenden Wetterextreme. Trotz privater Initiative durch die Bürgerstiftung und regelmäßiger Bemühungen der Stadt gelingt es kaum, dem Zahn der Zeit und der Zerstörungswut Einhalt zu gebieten.

Sonntag, 18.08.2019, 10:12 Uhr
Coesfeld: Brückenheilige im Dauerstress
Macht noch den besen Eindruck: der Nepomuk an der Münsterstraße (Umflut). Foto: az

„Die vier lebensgroßen Figuren, die an der Berkel und der Promenade zu finden sind, befinden sich teilweise in einem bedauerlichen Zustand“, berichtet der Coesfelder Christian Tiepold. Er wundert sich insbesondere darüber, dass das Standbild des Heiligen Ludgerus, das am Walkenbrückentor über der Umflut thront, nach den mutwilligen Zerstörungen im vergangenen Jahr (wir berichteten) noch nicht wieder hergestellt worden ist. Die Skulptur „Die Badende“ unweit davon sei dagegen schnell wieder aufgestellt worden. Ludgerus fehlen nach wie vor die Nase und mehrere Finger. „Das ist erschreckend anzuschauen“, meint er.

Für den Unmut hat Andrea Zirkel, Pressesprecherin der Stadt, durchaus Verständnis. Weil andere Projekte dringlicher gewesen seien, sei aber dieses Jahr noch kein Reparaturauftrag erteilt worden. „Sobald die Zeit es erlaubt, wird das angegangen“, verspricht sie. Das ist auch Verpflichtung. Denn drei Figuren (Ludgerus und zweimal Nepomuk am Mühlenplatz und an der Münsterstraße) sind in die Denkmalliste eingetragen. Zirkel: „Diese drei Statuen stehen im öffentlichen Raum, sie sind im Eigentum der Stadt und damit ist die Stadt verpflichtet, ihre Substanz auf Dauer zu gewährleisten.“ Der dritte Nepomuk am Burgwall ist kein Denkmal. Näheres ist darüber nicht bekannt. Aber auch diese Figur dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Das Hauptproblem der Figuren ist, dass sie aus dem relativ weichen Baumberger Sandstein bestehen. „Dementsprechend anfällig ist er gegen Witterungseinflüsse und Frost“, weiß Zirkel. Die Stadt hat ein jährliches Budget von 5000 Euro für die Reparatur und Instandsetzung von Denkmälern. Doch darunter fallen nicht nur die Brückenheiligen. Und es reiche nur für laufende kleinere Reparaturen an einem oder zwei Denkmälern, berichtet sie. Die anderen müssen warten, wenn nicht Privatleute sich ihrer annehmen. So versucht die Bürgerstiftung schon seit einigen Jahren, Bürger und Nachbarschaften zu gewinnen, Patenschaften zu übernehmen. Aus der Addy-Bosten-Stiftung für Kunst und Kultur heraus wurden unter anderen 2013 der Ludgerus an der Loddeallee und 2015 der Nepomuk am Burgwall restauriert. Mittlerweile sind beide aber schon wieder beschädigt. „Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass frisch restaurierte Denkmäler schnell wieder Zielscheibe für Farbattacken oder andere Zerstörungen waren“, so Zirkel. Sie unterstreicht: „So wie er da jetzt steht, mit seinen vielen Macken und Schäden, ist der Ludger auch Mahnmal, wie sinn- und gedankenlos mancher zerstörerisch mit Sachen im öffentlichen Raum umgeht.“ Und der Nepomuk am Burgwall? In der linken Hand hält er einen Palmzweig: das christliche Symbol des Sieges über rohe Gewalt und den Teufel...

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