Coesfeld
„Ich bin kein typischer Nazi“

MÜNSTER/COESFELD. Bereits zum wiederholten Mal musste sich ein aus Coesfeld stammender Nottulner wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten. In Textnachrichten an Freundesgruppen hatte er unter anderem einen neuen Führer und die Vergasung verschiedener Personen gefordert sowie mehrfach „Heil Hitler“ geschrieben und war in erster Instanz zu vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Dagegen hat er vor dem Landgericht Münster nun erfolgreich Berufung eingelegt.

Mittwoch, 21.08.2019, 10:28 Uhr

Aktuell verbüßt der Angeklagte bereits eine siebenmonatige Haftstrafe in Bielefeld, die Ende des Monats endet. Schon vor dieser Verurteilung hatte er rechtsextreme Inhalte verbreitet. Das aktuelle Urteil sollte mit dem Gefängnisaufenthalt verrechnet werden und zu einer Gesamtdauer von neun Monaten in Haft führen. Der Verteidiger erkannte das Strafmaß in der Berufung zwar an, wollte die restliche Strafe aber zur Bewährung ausgesetzt wissen.

Der Angeklagte zeigte sich durchaus reumütig und erklärte beschämt: „Ich bin kein typischer Nazi. Das, was ich da geschrieben habe, geht gar nicht!“ Er begründete die Aussagen mit seiner damaligen beruflichen Situation. Der Maurer habe in einem kleinen Betrieb mit mehreren „waschechten Nazis“ zusammengearbeitet, die ihn negativ beeinflusst hätten. Er sei depressiv, unglücklich und so leicht manipulierbar gewesen.

Die Staatsanwältin kritisierte die fehlende Reflexion des Verhaltens. So habe er es bereits nach der Verurteilung der ersten Tat verpasst, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und dadurch schon einmal seine Bewährungsauflagen verletzt. Der Richter stellte zudem fest: „Sie suchen für alles eine Ausrede, stellen sich als Mitläufer dar. Dabei sind Sie allein verantwortlich.“

Die Zeit im Gefängnis habe ihn geprägt, gab der Angeklagte an: „Ich kann dort nicht nochmal hin. Ich habe meine Lektion gelernt.“ Zudem habe er bereits einen neuen Arbeitsplatz, an dem er glücklich sei und an den er zurückkehren könne.

Durch diese Situation sowie strikte Bewährungsauflagen (u. a. Besuch einer Ausstellung zur Judendeportation), könne die Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden, begründete der Richter. Dieses Mal müsse sich der Angeklagte aber den Bedingungen fügen: „Eine weitere Chance bekommen Sie nicht!“

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