Coesfeld
„Wasserratten“ fehlt die Übung

Coesfeld. Schwimmen und Sommerferien gehören zusammen wie Topf und Deckel. Aber wie ungefährlich ist die Abkühlung im nassen Element noch? Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ergab, dass rund 60 Prozent der Grundschüler und jeder zweite Erwachsene nach eigenen Angaben Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. In Coesfeld scheint, wie eine Recherche unserer Zeitung ergab, die Welt auf den ersten Blick noch in Ordnung zu sein. Die Schwimmkurse werden gut angenommen. Auf der anderen Seite sinkt allerdings das Niveau der Schwimmfertigkeit.

Freitag, 23.08.2019, 15:45 Uhr
Coesfeld: „Wasserratten“ fehlt die Übung
Gut und sicher schwimmen können Marleen (links) und Jule (rechts ) Arlickmann. Die achtjährige Marleen hat das Schwimmabzeichen in Bronze, Jule (12) bereits in Gold. Gestern genossen sie einen der letzten Ferientage bei herrlichem Sonnenschein im CoeBad. Foto: Linus Lux

„Nachwuchsprobleme haben wir nicht“, stellt Christina Mey fest, die die Anfängerschwimmkurse für den Schwimm-Club-Coesfeld leitet. Für die Schwimmausbildung betrage die Wartezeit rund ein Jahr. Ähnliche Erfahrungen macht Stephan Hovestadt, Erster Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Coesfeld: „Die unglaublich hohe Nachfrage kann mit unseren Ressourcen gar nicht abgedeckt werden.“ Dieses positive Lagebild sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es in Coesfeld noch ein gut funktionierendes Hallenbad gibt. In anderen Regionen Deutschlands gehe eine Abnahme der Schwimmfähigkeit deutlich mit dem Fehlen entsprechender Bäder einher.

Dennoch beobachten sowohl Schwimmlehrerin Mey als auch Hovestadt, dass immer weniger Kinder nach der Grundausbildung den Schwimmvereinen erhalten bleiben. Doch gerade die regelmäßige Anwendung der neu erlernten Fähigkeiten sei sehr wichtig, um sicher schwimmen zu können. Hinzu komme, so der DLRG-Vorsitzende, dass in den vertiefenden Schwimmkursen das Einstiegsniveau der Kinder in den letzten drei bis fünf Jahren gesunken sei. „Häufig beherrschen die Kinder die Grundschwimm-arten nicht mehr sicher.“ Selbst bei den DLRG-Kursen für den Rettungsschwimmschein habe man festgestellt, dass die meist Anfang 20-jährigen Teilnehmer unsicherer im Becken sind, so Hovestadt. „Die können sich zwar irgendwie über Wasser halten, haben aber Probleme, die vorgeschriebenen Strecken zu schwimmen.“

Die Gründe für diese schleichenden Mangelerscheinungen seien vielfältig, erklärt der DLRG-Vorsitzende. Die meisten Kinder würden durch den längeren Nachmittagsunterricht nicht nur mehr Zeit in der Schule verbringen, auch sei das Freizeitangebot enorm gewachsen.

„Die Attraktivität des Schwimmens gegenüber anderen Sportarten ist gesunken. Es ist ein bisschen aus der Mode gekommen“, konstatiert Hovestadt.

Aber auch die hohen Eintrittspreise des Schwimmbades trügen dazu bei, dass der regelmäßige Zeitvertreib im kühlen Nass immer seltener werde. Diese fehlende Übung führe dann schlussendlich zu einer verringerten Schwimmfertigkeit.

Darüber hinaus spiele die abnehmende Qualität des schulischen Schwimmunterrichts eine entscheidende Rolle, erläutert Hovestadt. In Einzelgesprächen hätten ihm mehrere Schulen bestätigt, dass eine gute Qualität beim Schulschwimmen nicht gewährleistet werden könne. „In einer effizienten Schwimmgruppe haben wir zehn bis 13 Teilnehmer und zwei Trainer. In einer Schulklasse sind es durchschnittlich 25 Kinder und eine Lehrkraft“, stellt Hovestadt dar.

Um diesem Trend entgegenzusteuern, setzt der DLRG-Vorsitzende auf Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung. Das erklärte Ziel: „Das Schwimmen muss das werden, was das Fahrradfahren für uns Münsterländer ist.“

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