Coesfeld
Zweieinhalb Jahre Haft für Missbrauch

Coesfeld / Münster. Im Fall eines schweren sexuellen Missbrauchs an einem siebenjährigen Mädchen hat das Landgericht Münster jetzt die Berufung des 26-jährigen Angeklagten zurückgewiesen. Der Mann aus Eritrea, der in Coesfeld lebt, war bereits am 25. Februar zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, hatte jedoch in Hoffnung auf eine Strafmilderung Rechtsmittel eingelegt. Er hatte das siebenjährige Mädchen im vergangenen Jahr auf einer Busfahrt nach Ibbenbüren sexuell missbraucht, während die Mutter im vorderen Teil des Busses saß. Nach der Tat sind sie und ihre Tochter ausgestiegen. Der damals 25-Jährige ist weiter nach Ibbenbüren gefahren. Weil der Angeklagte, der schon vorher mit dem Mädchen bekannt war, seine Tat gestanden hatte, beschränkte die Richterin die Berufung. Somit gehe es nur um die Höhe der Strafe, auf eine Aussage der Mutter oder des Kindes könne verzichtet werden, erklärte sie.

Donnerstag, 05.09.2019, 19:24 Uhr

Der Angeklagte war bereits 2014 nach Deutschland gekommen, seine Aufenthaltserlaubnis geht bis zum 14. Dezember diesen Jahres. Hatte er in seiner Ausländerakte Angaben zu schweren traumatischen Erlebnissen während seiner Zeit als Soldat in Eritrea gemacht, so wollte er diese während der gestrigen Verhandlung nicht wiederholen. Trotz mehrmaliger Nachfragen von Anwältin, Gutachterin und Richterin teilte er seinem Dolmetscher mit, dass er „nichts zu sagen“ habe. Er wolle nur das Urteil abwarten. Einzig die angeblich an das Mädchen ausgesprochene Drohung, von der Tat niemandem zu erzählen, bestritt er.

Die Richterin hielt dem 26-Jährigen zugute, dass er früh ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. „Dadurch blieb dem Mädchen auch die Aussage vor dem Amtsgericht in Rheine, hier in Münster und vor einer Gutachterin erspart“, erklärte sie. Zudem erschien die Tat spontan und kurz, der Angeklagte war nicht vorbestraft. Dennoch konnte das Gutachten einer Psychologin verschiedene Verdachtsdiagnosen nicht genau festlegen. Stattdessen beschrieb sie einen wechselhaften Charakter des Mannes, der sich im Gespräch zur Erstellung des Gutachtens anfangs kaum kooperativ zeigte. Aufgrund der Sprachbarriere konnte eine Minderbegabung von ihr ebenfalls nicht festgestellt werden. Infolgedessen schloss die Richterin eine eingeschränkte Schuldfähigkeit aus.

Bei einem minder schweren Fall sei eine Haftstrafe von ein bis zehn Jahren vorgesehen, aber aufgrund des jungen Alters des Opfers und der Ausübung mehrerer sexueller Handlungen seien zwei Jahre und sechs Monate „die unterste vertretbare Zeit“, erläuterte die Richterin. Die Mindesthaftzeit bei schwerem sexuellen Missbrauch beträgt nach dem Gesetz zwei Jahre.

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