Coesfeld
Dieb will vorher Drogen konsumiert haben

Coesfeld / Münster. Einen Diebstahl nach dem anderen arbeitete die 5. Strafkammer des Landgerichts Münster gestern in dem Berufungsverfahren eines 32-jährigen Coesfelders auf. Dieser war im September 2018 vom Amtsgericht wegen siebenfachen Diebstahls – sechs davon als besonders schwere Fälle gewertet – zu einer Haftstrafe von zwei Jahren sowie im November 2018 aufgrund der rechtswidrigen Wegnahme eines Pedelecs zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Freitag, 06.09.2019, 06:24 Uhr

Diesbezüglich hatten sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch der Angeklagte Berufung eingelegt. Erstere empfindet die Strafzumessung des Amtsgerichts als zu gering. Der 32-jährige wiederum sieht sich in fünf Fällen, mit denen er nichts zu tun haben will, zu Unrecht verurteilt. Auch den Diebstahl des Elektrofahrrads bestreitet er.

Zum ersten Mal sprach er vor dem Landgericht von einer Drogenproblematik, der Beschaffungskriminalität folgte. Vor dem Amtsgericht und in anderen Verfahren hatte er das noch geleugnet. Der Vorsitzende Richter konnte das nicht so recht nachvollziehen. Zum einen sind im Strafregister – trotz der jahrelangen kriminellen Auffälligkeit – nur wenige Betäubungsmittelvergehen zu finden. Zum anderen führte der Angeklagte aus, vor seinem Diebstahl in den Räumen der Kolping-Bildungsstätte in Coesfeld mehrere Tage nicht geschlafen und dabei zwei Gramm Kokain, mehrere Gramm Amphetamin, eine Hand voll Ecstasytabletten, Cannabis sowie zwei Flaschen Jägermeister konsumiert zu haben. „Das passt jedoch nicht zu dem Leistungsbild bei der Festnahme“, so der Vorsitzende. Auch am Tatmorgen hat der gelernte Schlosser laut Aussage eine halbe Flasche des Kräuterlikörs getrunken. Sein Atemalkoholwert betrug jedoch nur 0,6 Promille.

Mit seinem ausschweifenden Drogenkonsum begründete der Angeklagte auch viele Gedächtnislücken und Ungenauigkeiten in seinen Ausführungen. So ließ sich der Coesfelder zwar zur Sache ein, sagte aber inhaltlich sehr verworren aus.

Den Blutspendeausweis einer geschädigten Person, der bei seiner Festnahme sichergestellt wurde und ihn insofern mit der bestrittenen Tat in Verbindung bringt, hat er nach eigenen Angaben an einem Mülleimer in Coesfeld gefunden. Näher konnte er den Fundort jedoch nicht bestimmen. Das Pedelec mit dem er fahrend gesehen wurde, sei stattdessen sein eigenes Hollandrad gewesen. Die Frage der Staatsanwaltschaft, ob dieses bei ihm zu Hause auch noch zu finden sei, konnte der Angeklagte nicht beantworten. Es sei nicht abgeschlossen und in Coesfeld würden viele Räder gestohlen.

Die Strafkammer konnte trotz der Zweifel nicht umhin das Verfahren für eine sachverständliche Begutachtung hinsichtlich der Drogensucht zu unterbrechen. Das Gutachten wurde in Auftrag gegeben.

Ein Urteil in dem Berufungsverfahren wird in drei Wochen erwartet.

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