Coesfeld
Selbst die Polizei ist machtlos

Coesfeld. Zaun oder kein Zaun – das war die Frage, mit der sich rund 20 Anwohner des Ludgeri-Schulhofes unter anderem am Mittwochabend auf einer Bürgerversammlung beschäftigt haben. Der Grund: Ruhestörung, Vandalismus, Müll – um nur einige Beispiele zu nennen. „Nach 19 Uhr, also außerhalb der regulären Nutzungszeiten, geht es richtig los“, erzählte ein Anwohner. „Ich habe das mal gemessen, wir hatten schon 90 Dezibel hier. Die Jugendlichen spielen ihre Musik über Bluetooth-Lautsprecher so laut ab, da denkt man, hier sei eine Außenstelle der Fabrik.“ Bis spät in die Nacht gehe die Lärmbelästigung. „Es werden Flaschen geworfen, an die Hecke gepinkelt, auf angrenzenden Garagen geturnt und gegen Mülleimer getreten. Wenn man dann mal etwas sagt, wird man sofort beleidigt oder sogar bespuckt.“

Freitag, 06.09.2019, 15:22 Uhr
Coesfeld: Selbst die Polizei ist machtlos
Theo Witte (l.), Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales, kam zusammen mit Schuldezernent Dr. Thomas Robers und Dorothee Heitz, Leiterin des städtischen Fachbereiches Jugend, Familie, Bildung, Freizeit, mit Anwohnern des Ludgeri-Schulhofes ins Gespräch zu Störungen und Belästigungen außerhalb der regulären Nutzungszeiten. Foto: az

Die regelmäßig hinzugerufene Polizei könne auch nicht viel ausrichten. „Die kommen und schicken die Jugendlichen weg. Aber kurze Zeit später sind sie wieder da“, zeigte er sich genervt und war nicht der Einzige. Ein Nachbar beklagte die Vorkommnisse als klare Einschränkung der Lebensqualität. Die Stadt hatte zu der Versammlung eingeladen, um sich die Sorgen und den Ärger der Nachbarn anzuhören und Lösungen zu finden, wie Schuldezernent Dr. Thomas Robers betonte. „Wir haben den Schulhof vor zwei Jahren ja auch mit dem Gedanken aufgewertet, dass er eben nicht nur für die Schulkinder da ist, sondern für das ganze Quartier. Jetzt müssen wir versuchen, allen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Die Stadt habe bereits für mehr Licht im Eingangsbereich gesorgt, um keinen unbeobachteten Raum zu geben. Das ziehe aber eher noch mehr Jugendliche an, so eine Anwohnerin. Und Schulleiterin Gabriele Schreer ergänzte: „Am besten wäre es, wenn wir den Eingangsbereich irgendwie komplett abriegeln können. Gerade montags müssen wir uns hier erstmal durch den Müll kämpfen, um in die Schule zu kommen.“ Ebenso schicke die Stadt ihren Sicherheitsdienst regelmäßig zum Schulhof. Die Kritik, dass sich dieser dort aber kaum sehen lasse, ließ Theo Witte, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales, nicht gelten: „Vom 1. bis 26. August war unser Sicherheitsdienst 50 Mal auf dem Schulhof. Teilweise drei Mal an einem Tag und an 21 Tagen wurde er auch tätig.“

Weil dies die Lage aber immer noch nicht verbessere, suchten die Anwesenden weiter nach Lösungen. Auch die Erhöhung des Zauns, der aktuell von einer Hecke verdeckt ist, kam ins Gespräch. Auf 1,50 Meter Höhe? Oder auf 1,90 Meter wie an der Martin-Luther-Schule? Für Dr. Robers nicht die ideale Lösung. „An diesem Standort ging es nicht anders, aber wenn wir das auch hier umsetzen sollten, geht der Quartiersbezug mangels Sichtbeziehung verloren. Optisch nicht schön. Zudem entstehen Kosten nicht nur durch den Zaun, sondern gegebenenfalls auch durch einen Schließdienst. Denn wer sorgt dafür, dass abends ab- und morgens aufgeschlossen wird?“ Der Vorteil eines Zauns: Man habe dann eine rechtliche Handhabe. Wenn der Schulhof eingezäunt sei und sich dennoch Jugendliche nach Ende der Nutzungszeit dort aufhielten, könne man sie wegen Hausfriedensbruch belangen. Aktuell sei dies nicht möglich, wie Theo Witte betonte. „Nicht jeder Regelverstoß ist auch sofort eine Ordnungswidrigkeit“. Dennoch hofften einige Anwohner, dass dies gegebenenfalls genug abschreckend wirke. Dr. Robers gab auch zu bedenken: „Wenn wir jetzt hier mit dem Zaun anfangen, wo hört es auf?“ Eine Videoüberwachung winkte Theo Witte direkt ab. „Dafür ist der rechtliche Rahmen nicht gegeben.“

Die Verwaltung bringt die Diskussion nun zu Protokoll und dann in die politische Gremienberatung im Herbst, so Dr. Robers. „Sollte ein Zaun eine Option sein, dann müssten wir Finanz- und Personalressourcen in den Haushalt 2020 einbringen. Eine Umsetzung wäre dann im Frühjahr 2020 möglich.“ Für etwas Schmunzeln in der sonst so ernsten Diskussion sorgte ein Nachbar mit dem Vorschlag: „Können wir nicht Wassersprinkler anbringen, die auf Bewegung reagieren?“

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