Coesfeld
„Familie ist ein 100-Prozent-Thema“

Coesfeld. Dass Familie in den heutigen Zeiten gelingen kann, das sei nicht immer nur alleinige Aufgabe der Eltern. „Sich Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche“, formulierte es Rose Volz-Schmidt, die Gründerin des wellcome-Projektes, auf dem Jubiläumsfest der Familienbildungsstätte zum 50-jährigen Bestehen am Freitagvormittag. Und genau da komme auch die FBS ins Spiel. Als Leiterin derselbigen begrüßte Ulrike Wißmann die Gäste und betonte: „Dieser Ort steht für ein lebendiges Lernen und Begegnung für alle Altersstufen.“ Ein Schwerpunkt sei auch die junge Familie und die Frage, wie man ihr die Hilfen zukommen lassen könne, die sie im Alltag brauche. Vor genau zehn Jahren sei deshalb das wellcome-Projekt, das praktische Hilfen für Familien kurz nach der Geburt biete, etabliert worden.

Samstag, 07.09.2019, 16:04 Uhr
Coesfeld: „Familie ist ein 100-Prozent-Thema“
Zeitgleich feierten die Anwesenden auch zehn Jahre wellcome-Projekt: (v.l.) Marc Henrichmann MdB, Ines Horn (Koordinatorin), Hedwig Börger und Ellen Schmitz (Ehrenamtliche), Rose Volz-Schmidt (Gründerin), Bürgermeister Heinz Öhmann, Andrea Berghaus-Micke (Landeskoordinatorin NRW). Fotos: Michaela Kiepe / Bischöfliche Pressestelle Foto: az

Mit dem Titel „Unterstützung für junge Familien – nie war sie so wertvoll wie heute“, beschrieb Gründerin Rose Volz-Schmidt die veränderten familiären, aber auch gesellschaftlichen Herausforderungen. „Der erste entscheidende Megatrend ist die Mobilität. Die Familienmitglieder wohnen nicht mehr wie früher alle nah zusammen, oft sind sie über die ganze Bundesrepublik, oder auch im Ausland verteilt.“ Unterstützung durch Eltern oder Großeltern sei nicht immer mehr möglich.

Ein weiterer Trend: die Digitalisierung. „Eltern suchen meist Rat im Netz, weil oft die Strukturen von analogen Beratungsangeboten noch so sind wie in den 60er-Jahren. Zu ihren Öffnungszeiten sind viele Eltern noch arbeiten, denn das klassische Rollenbild gibt es auch immer weniger.“ Viele Frauen gingen zeitnah wieder arbeiten – nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus persönlichen Gründen. „Am Ende muss ja auch die Miete bezahlt werden. Zum anderen kennen wir das Problem der Altersarmut bei Frauen, wenn sie zuhause geblieben sind.“ Sie selbst erzählte von finanziellen Engpässen, die sie bei drei Kindern trotz zwei guter Gehälter gehabt hätten. „50 Prozent aller Eltern erhalten noch finanzielle Unterstützung durch Familie.“ Neben der zeitlichen in der Betreuung. „Dort, wo es diese funktionieren Familiennetzwerke nicht mehr gibt, sind die Eltern schon einsam und verlassen“, brachte sie es auf den Punkt.

Auch appellierte sie an Arbeitgeber: „Es kann nicht sein, dass es bei Männern immer noch ein Karrierehemmnis ist, wenn sie sich auch eine Auszeit für die Kinder nehmen.“ Und: „Es gibt keine besser organisierten Arbeitskräfte als Mütter.“ Zum Schluss wandte sich Rose Volz-Schmidt an die Gesellschaft. „Familie betrifft uns alle. Familie ist ein 100-Prozent-Thema.“

Der Festakt zum 50-jährigen Jubiläum startete am Morgen mit einem Gottesdienst mit Weihbischof Dieter Geerlings, für die musikalische Unterhaltung während der Feier in der FBS sorgten die Musiker Martin Adolf und Markus Dassmann. Noch mehr Unterhaltung bot abschließend das „FKK – Frauenkabarett Krefeld.“

7 Die FBS feiert ihr Jubiläum zusätzlich morgen mit einem Tag der offenen Tür von 13 bis 17.30 Uhr.

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