Coesfeld
Lehrer, Liebe und Despoten

Coesfeld. Stunk unplugged und absolut live begeisterte das Publikum im vollbesetzten Konzert Theater. Das nach eigenen Angaben „größte Kabarett-Ensemble der Republik“, bestehend aus zwölf Mitgliedern der legendären Kölner Stunksitzung, im vermeintlich humorlosen Münsterland. Doch schnell war klar: Die Stunk-Macher und das Coesfelder Publikum schwimmen auf der Wellenlänge desselben Humors. Und der war denkbar schwarz gefärbt, gesellschaftskritisch, politisch und herrlich überzeichnet.

Samstag, 14.09.2019, 16:20 Uhr
Coesfeld: Lehrer, Liebe und Despoten
Ohne Worte: Der verklemmte Single-Mann, der sich seiner Therapeutin nur über Bilder mitzuteilen wusste, war einer von vielen Sketchen, mit denen die Stunk-Macher das Publikum zum Lachen brachten. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Wanninger schwang die sprachliche Keule gegen den Rechtspopulismus und gegen die aktuelle Bildungs- und die Umweltpolitik, die „verbalen Feinstaub“ verbreite. Karikaturen von Lehrern stellten sich vor, kommentierten ihren Lehrauftrag wie beim Fußballspiel mit der deutschen Rechtschreibung als Gegner oder der Versetzung von Schülern, die voneinander falsch abgeschrieben hatten. „Ich mache euch ein einmaliges Angebot. Ihr seid alle versetzt, aber betrügt mich nie wieder“, beendete ein Lehrer seine Rede, flankiert von zwei Bodyguards.

Unnachahmlich komisch war auch der Sketch des verklemmten Single-Mannes, der bei der Psychotherapeutin Hilfe suchte. Die Kommunikation lief über Emoticons. Letztlich konnte der Mann doch sprechen und gestand seine Liebe zur Therapeutin.

Um eine ganz andere Liebe ging es bei einem Brautpaar im reifen Alter von 50 plus. Die Türen mit Gesichtserkennung hinderten das Paar, endlich in die Federn zu kommen. Dafür wusste die digitale Stimme „Alexa“ alles über die beiden von der Sterilisation der Frau bis hin zu ihrem wahren Alter, Gewicht, Krankheiten, Zahl der Kinder.

Während Josef Piek mit seiner rockigen Stimme und seinem effektvollen Gitarrenspiel begeisterte, flitzte seine Schlagzeugerin Martina Klinke immer wieder aus der Band in ihre komischen Rollen. Als Clown entlarvte sie „Trump“, „Melanonia“, „Putin“ und „Erdogan“, bestellte Krankenpfleger aus der Psychiatrie und ließ sie als „Idioten“ in die Anstalt bringen. Der Applaus bestätigte die mutige Aktion.

Beinahe zu Tränen gerührt war das Publikum, als die Band über die letzte Kamelle vom Rosenmontagszug sang. Auch der Wettstreit zwischen den Blauen und den Roten Funken trug den Kölner Karneval nach Coesfeld. Als „Trans-Jeck“ wurde der bezeichnet, der sich nicht entscheiden konnte, während Stuttgarter im Kölner Karneval als vom anderen Stern und aus einer anderen Kultur vertrieben werden sollten. Als dann noch Wanninger als Andrea Nahles im überspitzten Schrei-Modus („Ich stamme aus der Eifel. Ich bin die Rache der Eifel für die erloschenen Vulkane!“) auftrat, gab es Begeisterung pur. Am Ende Riesenapplaus, auch der – natürlich – unplugged.

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