Coesfeld
Coesfelder muss doch nicht ins Gefängnis

Coesfeld / Münster. Sichtlich erleichtert und den Tränen nahe war ein 52-jähriger Coesfelder, als die vierte große Strafkammer beim Landgericht Münster gestern im Berufungsverfahren seine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten in eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren umwandelte. Das bedeutet für den Angeklagten, dass er nun doch nicht ins Gefängnis muss.

Mittwoch, 18.09.2019, 15:34 Uhr

Der Unternehmer, der heute in Marl lebt, ist wegen Steuerhinterziehung in 23 Fällen und Veruntreuung von Arbeitsentgelt in 82 Fällen verurteilt worden. Von 2008 bis 2015 habe er, wie das Gericht feststellte, keine Beiträge für seine Mitarbeiter an die Sozialversicherung gezahlt. Auch Umsatz- und Einkommensteuer habe er hinterzogen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 583 000 Euro, davon 216 000 Euro Steuerhinterziehung.

Der 52-Jährige ist im März 2018 vom Amtsgericht Münster zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die Richterin hat am Dienstag zunächst von einem eher „milden Urteil“ gesprochen. Die Strafzumessung sei „durchaus vertretbar“. Im Berufungsverfahren gehe es nur darum, das Strafmaß nochmal zu überprüfen. Eine Bewährung komme nur bei maximal zwei Jahren in Betracht. Bei ihrem Urteil hielt die Richterin dem Angeklagten zugute, dass die Taten bis zu zehn Jahre zurückliegen und der Beschuldigte keine Vorstrafen hat. Die Aussicht auf künftige Straffreiheit sei angesichts guter Sozialprognose gegeben. Die Richterin legte die Bewährungszeit auf vier Jahre fest. Außerdem muss er 300 Sozialstunden ableisten und 1000 Euro an die Staatskasse zahlen.

Der Staatsanwalt und der Pflichtverteidiger hatten ebenfalls eine zweijährige Bewährungsstrafe beantragt. Der Verteidiger führte als Begründung ins Feld, dass sein Mandant vollumfänglich geständig sei und auch Wiedergutmachung angestrebt habe. Der Staatsanwalt zweifelte aber die Aussagen des Angeklagten an, dass dieser alles versucht habe, um die Gläubiger zufriedenzustellen. Stattdessen habe der Beschuldigte eine „Konstruktion“ gewählt, mit der dieser den Eindruck erwecken wolle in einer „Zwickmühle“ und mittellos zu sein. Im Zuge des Insolvenzsverfahrens habe der Angeklagte seine Ehefrau zur Geschäftsführerin gemacht und sich von ihr als Minijobber einstellen lassen. „Das ist der Klassiker“, sagte der Staatsanwalt.

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