Coesfeld
Schwestern fühlen sich im Stich gelassen

Coesfeld. Bianca Meyer (Name von der Redaktion geändert) hadert mit dem Rechtsstaat. „Warum hilft uns niemand, unser Recht zu bekommen?“, fragt die Dortmunderin. Die Enttäuschung sitzt tief. Es geht um den bescheidenen Nachlass ihrer Mutter, die im April dieses Jahres verstorben ist. In ihrer Wohnung am Hohen Feld in Coesfeld hatte die alte Frau einen Untermieter, der nach ihrem Tod behauptete, ihr Lebensgefährte gewesen zu sein und sich nach ihrer Darstellung auf dieser Basis Geld, Schmuck, ein Fernsehgerät und Möbelstücke aneignete. Zudem ließ er ohne Wissen des Vermieters das Schloss der Wohnungstür austauschen, sodass Meyer und ihre Schwester zunächst gar nicht mehr in die Wohnung der Mutter kamen.

Montag, 14.10.2019, 21:02 Uhr

„Wir wollten das Stammbuch und andere Unterlagen holen, die wir für den Erbschein benötigten“, berichtet sie. Mithilfe des Vermieters konnte die Tür schließlich aufgebrochen werden – da sahen sie, dass schon vieles fehlte. „Wir baten die Polizei um Hilfe. Doch das ging ins Leere“, ärgert sich Meyer. Die Beamten hätten sich für ihr Anliegen gar nicht interessiert und das Ganze als Erbstreitigkeit abgetan. Die Schwestern erstatteten schließlich Anzeige gegen den Untermieter. „Aus Prinzip“, stellt Meyer klar, „nicht wegen des eher geringen Wertes der Sachen“. „So was kann doch nicht sein, dass der ungeschoren davon kommt“, erklärt sie. Die Mutter habe ihn lediglich aus Mitleid aufgenommen und, um für sich die Mietbelastung etwas reduzieren zu können. „Zusammen waren sie nicht. Das hat sie uns klar gesagt.“

Der Anzeige folgte – und das entsetzte die Schwestern noch mehr – die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Münster: „Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht in diesem Fall nicht“, schreibt die Strafverfolgungsbehörde. Auch sie sieht vornehmlich „Nachlassauseinandersetzungen, die gegebenenfalls zivilrechtlich zu klären sind“. Und dann drehte der Untermieter, den unsere Zeitung nicht für eine Stellungnahme erreichen konnte, den Spieß nach Darstellung der Schwestern auch noch um: „Der hat uns angezeigt, weil wir angeblich Sachen von ihm aus der Wohnung mitgenommen haben“, berichtet Meyer. Dabei seien sie gar nicht in seinem Zimmer gewesen. Alle Sachen, die sie an sich genommen hätten, hätten der Mutter gehört. Und sie allein seien die rechtmäßigen Erben – ein Testament gebe es nicht.

Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, kann den Frust der Schwestern verstehen. Trotzdem sei in dieser Sache aus seiner Sicht nichts falsch gelaufen. „Wenn man die Akte liest, klingt nicht alles so eindeutig“, fügt er hinzu. Da stehe Aussage gegen Aussage. Mit der Einstellung des Verfahrens, stellt er klar, sei die Frage, wem was gehört, ja auch noch nicht abschließend entschieden worden. Der Fall sei als Auseinandersetzung zwischen Privatpersonen gewertet worden. Die Schwestern könnten die Herausgabe von Sachen, die ihnen zustehen, nun noch in einem zivilgerichtlichen Verfahren durchsetzen. Er hebt hervor, dass Verfahren nicht leichtfertig eingestellt würden, sondern immer intensiv geprüft werde, ob es ein Interesse des Staates an Strafverfolgung gebe.

Bianca Meyer stimmt das nicht versöhnlich. „Wer die Wahrheit sagt, hätte schnell geklärt werden können, wenn der Wille dazu da gewesen wäre“, findet sie. Im Privatverfahren wären sie nun in der Beweispflicht. Und hätten auch die Kosten. „Das finden wir nicht fair.“ Da von dem Mann vermutlich auch nichts mehr zu holen sein werde, wollten sie auf eine Privatklage auch verzichten.

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