Coesfeld
„HIV ist aus dem Blickfeld gerückt“

Coesfeld. Seit rund einem Jahr gibt es sowohl die Notfalldose als auch den Aidstest für zu Hause in den Apotheken in Coesfeld. Dr. Stephan Barrmeyer, Sprecher der Apotheken und Inhaber der Laurentius-Apotheke, zieht ein durchwachsenes Fazit. „Bei den Notfalldosen hat der Hype nachgelassen. Wenn mal bei einem Kaffeeklatsch drüber gesprochen wird, verkaufen wir wieder stoßweise welche, aber ansonsten ist sie aus dem Fokus gerückt.“ Rund 50 Stück habe er im vergangenen Jahr herausgegeben, jeweils gegen eine kleine Spende. „Mit dem Geld ermöglichen wir Impfungen in Kalkutta.“

Mittwoch, 23.10.2019, 10:12 Uhr
Coesfeld: „HIV ist aus dem Blickfeld gerückt“
Apothekensprecher Dr. Stephan Barrmeyer mit den Notfalldosen und dem Aidstest für zu Hause, die beide seit rund einem Jahr in den Apotheken erhältlich sind. Sein Fazit fällt durchwachsen aus. Gerade bei dem Aidstest wundert er sich, dass die Nachfrage nicht stärker ist. Foto: Jessica Demmer

Das Konzept der Notfalldose ist einfach und richtet sich vor allem an ältere und chronisch kranke Patienten. Sie beinhaltet einen Zettel mit wichtigen Angaben zum Patienten, wie Medikamentierung und Allergien. Die Notfalldose sei dann im Kühlschrank aufzubewahren. Auch das hat einen simplen Grund: „Einen Kühlschrank hat eigentlich jeder und der steht meistens in der Küche“, sagt Barrmeyer. Ein Hinweisaufkleber kommt an die Wohnungstür und ein weiterer an den Kühlschrank. So wissen die Rettungskräfte sofort, wie sie an die Informationen gelangen. „Medikamente selbst sollten in der Dose nicht aufbewahrt werden.“ Bei dem Aidstest für zu Hause sieht es etwas anders aus. „Da haben wir insgesamt zwei bis drei Stück verkauft.“ Dr. Stephan Barrmeyer hätte mit mehr gerechnet. „Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, ganz anonym. Scham kann es also eigentlich nicht sein. Und wenn ich es mit der Abgabe der Pille danach vergleiche, macht mich das schon etwas stutzig.“ Denn die sei stark gefragt. „Es vergeht kein Notdienst, ohne dass wir nicht mindestens eine herausgeben.“ Und alle, die die Pille danach brauchen, hätten auch nicht verhütet oder es sei etwas schief gegangen, so der Apotheker. „Da frage ich mich doch, was in der Gesellschaft los ist und ob nicht viel zu sorglos mit dem Thema HIV umgegangen wird.“ Generell sei das Thema HIV etwas aus dem Blickfeld gerückt. „Und wie das immer so ist, geraten Themen dann schnell in Vergessenheit. Aber die generell gestiegenen Zahlen von Geschlechtskrankheiten sollten zu denken geben“, versucht Dr. Stephan Barrmeyer zu sensibilisieren. „Natürlich ist HIV heute nicht mehr pauschal ein Todesurteil, es gibt auch prophylaktische Maßnahmen, aber es sollte nicht zur Sorglosigkeit führen.“

Bei dem Aidstest nimmt man etwas Blut aus dem Finger und gibt es in die Testapparatur, das Ergebnis wird nach rund einer Viertelstunde angezeigt. „Ganz wichtig ist aber zu wissen, dass eine mögliche Infektion erst nach zwölf Wochen nachzuweisen ist“, so der Apotheker. Man dürfe sich also in der Zeit davor nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Der Test weist nicht direkt HIV nach, sondern die Antikörper gegen das Virus. Diese Antikörper bilden sich erst nach einiger Zeit. Auch wenn der Test also erst drei Monate nach einer möglichen Infektion diese auch zuverlässig nachweisen kann, so sei man in diesen drei Monaten im Falle einer Infektion bereits ansteckend. Ein Gespräch mit dem Hausarzt sei im Verdachtsfall immer zu empfehlen.

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