Aterballetto überzeugt mit tänzerischer Vielfalt
Perfekte Verschmelzungen

Coesfeld. Rechts die Männer, links die Frauen, streng aufgereiht auf abstrakten Metallstühlen, die sie wie eine Welle klackend in Bewegung setzten, in der Mitte ein langer Tisch, der als Bühne für akrobatisch wirbelnde Körper dient. So beginnt die erste Choreografie eines beeindruckenden Ballettabends. Es ist eine Serata, ein Themenabend, gewidmet dem Komponisten Igor Strawinsky, mit der sich das italienische Aterballetto im Konzert Theater vorstellt.

Freitag, 14.03.2014, 17:54 Uhr

Choreograf Mauro Bigonzetti zeigt dabei mit seiner Kompanie drei ganz unterschiedliche Stücke, die in der geschickt gewählten Abfolge für immer größere Begeisterung im Publikum sorgen. In der Tanzkantate „Les Noces“ (Hochzeiten) vertonte Strawinsky russische Hochzeitsgedichte. Bigonzetti lässt seine Tänzer mit eckigen, abstrakten Bewegungen, in die Stühle und Tisch funktional eingebaut sind, einen Kampf der Geschlechter ausfechten, sie in einem Wirbel aus Anziehung und Abstoßung fast mechanisch funktionieren. Die Geometrie der Anordnung, die durch Licht und Schatten verstärkt wird, fasziniert in ihrer kühlen Ästhetik. Im beeindruckenden Schlussbild glitzern die Stühle im Scheinwerferlicht und schwingen im Takt von Glockenschlägen.

Als ein harmonisches Zwischenspiel folgt „Intermezzo“ zur „Suite Italienne“. Anmutige Harmonie zeichnet den Reigen der vier Pas de Deux aus. Bei jedem der Paare finden sich zunächst die zart und vorsichtig miteinander spielenden Hände, bevor ihre Körper in extremen Hebefiguren zu einer Einheit verschmelzen.

Spitzenpirouetten als Standbilder, Spagate in der Luft, Bigonzetti vermischt Elemente des klassischen Tanzes mit artistischen Bewegungen, verknotet seine Tänzer regelrecht und lotet ihre Beweglichkeit bis ins Letzte aus. Und doch wirkt alles leicht und schwebend, etwa wenn die Tänzerinnen, als Paket verschnürt von ihren Partnern getragen, sich wie aufspringende Knospen entfalten. Den Höhepunkt des Abends bildet die Choreografie zu „Le Sacre du Printemps“. Strawinsky verarbeitet in diesem Ballett ein heidnisches Opferritual. Ein junges Mädchen soll geopfert werden, um den Gott des Frühlings gnädig zu stimmen.

Sehr stimmungsvoll ist die Szenerie zunächst ins Dunkle gesetzt. Wie Scherenschnitte liegt die Kompanie am Boden, bis die aufgehende Sonne eine sich räkelnde Tänzerin aus dem Schattenreich ins Licht holt. Langsam folgen die anderen und beginnen in erdfarbenen Kostümen einen heiteren Frühlingstanz. Im Wechsel zwischen Licht und Schatten finden die Tänzer immer wieder faszinierende Bilder für die zunehmend dramatischer erklingende Musik, die sich mit hämmernden Pauken dem Finale nähert. Am Ende bilden die Tänzer am Boden eine amorphe Masse, aus der heraus das junge Opfer, von vielen Händen gefesselt, einbeinig um sein Leben tanzt. Tosender Applaus honoriert die grandiosen Leistungen der Kompanie und ihres Choreografen.

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