„Das Fest“ von Regisseur Kay Voges wird am 21. Mai im Konzert Theater aufgeführt
„Wie ein Uhrwerk miteinander spielen“

Einen Film, der auf der Theaterbühne live gedreht wird – das erleben die Besucher des Stückes „Das Fest“ am Mittwoch (21. 5.) um 19.30 Uhr im Konzert Theater. Darin geht es um ein Familienfest, auf dem der Sohn den sexuellen Missbrauch durch seinen Vater aufdeckt. Regisseur ist der Intendant des Schauspiels Dortmund, Kay Voges. Redaktionsmitglied Daniel Peters hat mit ihm über Dogmen gesprochen und erfahren, was ihm die Nominierung für einen der wichtigsten deutschen Theaterpreise bedeutet.

Freitag, 09.05.2014, 17:58 Uhr

Live-Kino im Theatersaal – wie sind Sie auf diese durchaus ungewöhnliche Idee gekommen?

Kay Voges: Der Regisseur und Autor der Filmvorlage hat zusammen mit anderen Filmemachern das Dogma 95 rausgebracht. Damit sollte eine neue Ästhetik gegen die Hollywood-Ästhetik gesetzt werden. Die Kostüme werden nicht designt, sondern die Schauspieler bringen sie selbst mit. Es wird kein Licht gesetzt und die Kamera läuft den Schauspielern hinterher. Der Film war ein riesiger Erfolg, auch weil man den Eindruck hatte, dass man eine Aufnahme von einer Familienfeier schaut, wie man sie auch selbst machen könnte. Ungeschönt und ohne Puder. Hätten wir einfach die Texte nachgesprochen und auf die Bühne gepackt, wären wir dem nicht gerecht geworden.

Wie muss man sich die Umsetzung vorstellen?

Voges: Wir haben ein neues Dogma kreiert, das Dogma 20_13. Bei uns läuft nicht die Kamera dem Schauspieler hinterher. Wir haben eine Konstruktion gebaut, auf der sich eine Kamera permanent im Kreis dreht. Nicht die Freiheit des Schauspielers steht im Vordergrund, sondern die Herausforderung, die Illusion des Films aufrecht zu erhalten. Durch die Leinwand hindurch sehen wir, wie die Schauspieler ständig der Kamera hinterherlaufen.

Welche Art von Unterhaltung erwartet die Theaterbesucher?

Voges: Ich glaube, dass dieser Abend höchst amüsant wird. Es geht mit den Ursprüngen des Theater los. Sehr naiv, leicht und lustvoll gemacht. Wir kommen aus dem Lachen heraus direkt zum Grusel, zum Entsetzen und erkennen uns selbst wieder. Nach der Vorstellung haben mir viele Leute gesagt, dass es sie an ihre eigene Familie erinnert hat. Feste, wo man irgendwie miteinander auskommen muss und gute Miene zum bösen Spiel macht, das kennen alle.

War es für Sie als Regisseur eine besondere Herausforderung, ein Stück zu inszenieren, das sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand spielt?

Voges: Es ist vor allem eine unglaubliche Leistung des Ensembles. Das ganze Stück wird mit einer einzigen Kamera vorgeführt. In der Probenzeit haben wir die Schauspieler acht Wochen im Kreis laufen lassen. 13 Menschen kreieren gemeinsam einen Film und müssen wie ein Uhrwerk miteinander und füreinander spielen. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, weshalb „Das Fest“ unter die besten drei Inszenierungen in Deutschland gekommen ist.

Sie sprechen vom Theaterpreis „Der Faust 2013“. Überwiegt die Freude über die Nominierung oder die Enttäuschung darüber, dass der Preis an ein anders Stück ging.

Voges: Das war großartig, das hat es in Dortmund noch nie gegeben. Wir wurden zusammen mit zwei Häusern nominiert, die mindestens den zehnfachen Etat von uns haben. Das ist, als würde Braunschweig auf einem „Champions League“-Platz landen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2439549?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker