Fachleute stimmen die kleine Orgel / Kirchengemeinde bekommt am 15.12. eine Kostprobe
Neue Töne aus der Jakobi-Kirche

Coesfeld. Tüüüüt, deeet, dii, twööt erklingt es beim Betreten der Jakobi-Kirche. Die neue Orgel hört sich für einen Laien schon sehr beeindruckend an. Aber für die zwei Fachleute des westfälischen Orgelbauers Sauer noch nicht rund genug. Sie machen sich an die Arbeit der Orgel die richtigen Töne beizubringen.

Donnerstag, 28.11.2013, 17:48 Uhr aktualisiert: 29.11.2013, 11:04 Uhr

Der Intonateur Thomas Heinemann sitzt am Spieltisch und ruft zu seinem Kollegen Johannes Falke, der in der Pfeifenkammer steht: „Gisbert hat zu viel Ansatz.“ Falke zieht eine Pfeife aus der Windlade, einem großen Tisch, durch den ein Luftstrom zu den Reihen von Orgelpfeifen geleitet wird. Eine Reihe bildet ein Register, eine Klangfarbe und ist, wie Heinemann erläutert: „Wie ein Musiker in einem Orchester. Der Organist kann sich dann seine Musiker zusammenstellen.“

Bei der kleinen Orgel sind es elf Register, die Namen, wie Bleigedackte 8’, Doppelflöte 8’ oder Hafenprinzipal 8’ heißen. Die noch im Bau befindliche große Orgel wird 38 Register haben. Falke nimmt ein Messer und schabt von der Öffnung, dem Labium, einer Metallpfeife ein wenig ab. „Bei zu viel Ansatz hört sich der Ton am Anfang an, als spucke er. Durch das Nachschneiden wird der klarer.“ erklärt er. Mit dem Mund bläst der Intonateur in die Pfeife und kontrolliert sie, bevor er sie wieder in die Windlade steckt. Heinemann schlägt den Ton erneut an. „Ja, das kling gut.“

So arbeiten sich die beiden Fachleute Pfeife für Pfeife voran. Mit der großen Orgel zusammen haben sie einen Wald aus 4000 Pfeifen zu justieren. Das wird noch einige Wochen dauern. Maximilian Kramer, Kantor der Kirchengemeinde St. Lamberti, kommt kurz zu Besuch.

Mit verschränkten Armen, eine Hand an den Lippen, geht er langsam den Mittelgang in der Jakobi-Kirche entlang und lauscht konzentriert den Tönen: „Klasse! Fantastisch! Das klingt schon sehr gut.“ Er freut sich schon am 3. Advent (15. 12.) die Orgel, die sich rechts vom Altarraum über der Sakristei befindet, zum ersten Mal vor der Öffentlichkeit spielen zu können. Die große Orgel wird später am gewohnten Platz auf der Orgelbühne installiert. Bilder auf der Internetseite www.westfaelischer-orgelbau.de geben bereits einen Eindruck, wie sie aussehen wird. Das Besondere: Über einen Generaltisch, der voraussichtlich links vom Chorraum stehen wird, lassen sich vom unteren Kirchenraum aus beide Instrumente spielen. 900 000 Euro kosten die gesamte Anlage mit den drei Spieltischen. Das Geld dafür spendete ein unbekannter Coesfelder der Kirchengemeinde St. Lamberti.

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