Gesundheitsforum
„Jedes Kind ist ein Unikat“

coesfeld. Manche Kinder leiden unter Erkrankungen wie zentralen Bewegungsstörungen oder angeborenen Fehlbildungen. Diese rufen häufig Gangstörungen im Kindesalter hervor.

Montag, 19.11.2018, 11:10 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 19.11.2018, 11:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 19.11.2018, 11:10 Uhr
Gesundheitsforum: „Jedes Kind ist ein Unikat“
Dr. Ulrich Hafkemeyer. Foto: az

Zu diesen Themen referiert Dr. Ulrich Hafkemeyer am Mittwoch, 21. November um 19 Uhr in den Christophorus-Kliniken. Er ist Facharzt für Orthopädie und Kinderorthopädie sowie Chefarzt der Abteilung für Technische Orthopädie und pädiatrische Neuroorthopädie im SPZ-Westmünsterland an den Christophorus-Kliniken. Der Vortrag findet statt im Rahmen des Gesundheitsforums Coesfeld.

Im Vorfeld des Vortrags stellte AZ-Redaktionsmitglied Alexander Bitting dem Referenten einige Fragen.

Das Thema „Gangstörungen bei Kindern“ ist neu beim Gesundheitsforum Coesfeld. Wie kam die Idee zustande, zu diesem Thema zu referieren?

Dr. Ulrich Hafkemeyer: Die Idee zu diesem Thema ist bereits alt und hat sich aus der täglichen Arbeit in der Sprechstunde für Technische Orthopädie und Pädiatrische Neuroorthopädie innerhalb des SPZ entwickelt. Dabei ist in erster Linie die Wichtigkeit des Gehens zu nennen, die für alle Eltern betroffener Kinder von erheblicher Bedeutung ist. Alle Eltern wünschen eine größtmögliche Mobilität für ihr Kind mit Handicap, wozu verschiedenste Behandlungsoptionen in Frage kommen, die sich jedoch jeweils nach dem Befund und nach den motorischen Möglichkeiten richten müssen. Nur so kann ein realistisches Ziel mit entsprechenden Behandlungen erreicht werden. Gangstörungen sind auffällig und belasten die Kinder mit Handicap und aus orthopädischer Sicht ist es hier sinnvoll, möglichst dem Befund entsprechend und dem Therapieziel folgend korrekt zu versorgen. Viele unserer Kinder benötigen Hilfsmittel, um eine selbstständige Mobilität zu erreichen.

Was wird der Schwerpunkt Ihres Vortrags am kommenden Mittwoch sein?

Dr. Ulrich Hafkemeyer: Der Schwerpunkt wird sein, die Möglichkeiten der orthopädie-technischen Versorgungen aufzuzeigen, mit denen eine Verbesserung der Mobilität erreicht werden kann, wenn sie aus neurologischen Gründen oder aus Gründen angeborener Fehlbildungen beeinträchtigt ist. Ich möchte versuchen, vor allem die orthopädie-technischen und orthopädie-schuhtechnischen Versorgungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die wir bei den unterschiedlichen Erkrankungsbildern einsetzen und mit denen wir Verbesserungen im Gangbild erzielen. Dies kann ermöglichen, dass diese Kinder einen größeren Aktionsradius und eine höhere Leistungsfähigkeit erreichen, obwohl sie ein motorisches Defizit haben. Vor allem sollen sie mit den Hilfsmitteln konkurrenzfähig zu ihren gesunden Altersgenossen sein.

Kinder, die „anders“ sind, werden auch in der Schule häufig in eine Außenseiterrolle gedrängt. Was raten Sie sowohl betroffenen Kindern als auch dem sozialen Umfeld, wie sie am besten mit einer solchen Situation umgehen sollten?

Dr. Ulrich Hafkemeyer: Jedes Kind ist ein ‘Unikat’ mit all seinen individuellen Fähigkeiten. Anders zu sein heißt in unserer heutigen Welt häufig auffällig zu sein, wobei auffällig in sehr unterschiedlichem Maße definiert wird. Wichtig ist es nach meiner Auffassung, dass jedes Kind und jeder heranwachsende Jugendliche mit all seinen Stärken und Schwächen akzeptiert werden muss, damit er offen und ohne Zurückhaltung lernt, mit seinem ‘Handicap’ umzugehen. Eltern und Angehörige müssen lernen, sich mit der Behinderung eines Kindes zu arrangieren, damit sie an dem Schicksal nicht zerbrechen und offen damit umgehen, weil nur so Fortschritt im besten Sinne möglich ist. Kinder mit Handicap, die innerhalb der Schule ausgegrenzt oder als ‘behindert’ tituliert werden, leiden mitunter sehr unter dieser Situation. Hier ist es Aufgabe von Lehrern und Betreuern, in der Klasse ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was es bedeutet, gesund oder eingeschränkt zu sein. Der offene Umgang mit der Behinderung eines Kindes ist sicherlich die größte Hilfe, das Wegsehen und Ausgrenzen wird hier zur Steigerung der Defizite führen.

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