Gesundheitsforum
„Eine Konzentration auf das Innere“

COESFELD (tl). Die schon seit dem Altertum bekannte Hypnose wurde hierzulande lange Zeit in ein Spannungsfeld zwischen Irrglauben und Selbsttäuschung eingeordnet. Heute ist Hypnose eine wissenschaftlich belegte Methode, deren Wirksamkeit in einer Vielzahl von Studien nachgewiesen ist. Am Mittwoch (20.  2.) um 19 Uhr referiert der in Coesfeld praktizierende Mediziner Christoph Micke, Facharzt für Allgemeinemedizin im Rahmen des Gesundheitsforums im WBK-Forum an der Osterwicker Straße zum Thema „Hypnose – Mythos und Wahrheit“. Hierzu führte AZ-Redakteur Thomas Lanfer mit Christoph Micke folgendes Interview:

Montag, 18.02.2019, 09:49 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 09:52 Uhr
Gesundheitsforum: „Eine Konzentration auf das Innere“
Christoph Micke ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Foto: az

Herr Micke, Hypnose – dieser Begriff ist heute immer noch besetzt von Unsicherheit, ja sogar von diffusen Ängsten vor Kontrollverlust oder psychologischer Beeinflussung. Wie beschreibt der Wissenschaftler die Hypnose und wie können Sie Ihren Patienten eventuell vorhandene Ängste nehmen?

Christoph Micke: Während der Hypnose wird der Patient in eine so genannte hypnotische Trance versetzt. Der Zustand stellt einen subjektiv veränderten Bewusstseinszustand dar, der sich vom Wachbewusstsein, von Schlaf und Entspannung unterscheidet. Das Entscheidende ist, dass der Patient bei Bewusstsein ist. Es findet eine komplette Konzentration auf das Innere statt. Die moralischen Instanzen des Patienten bleiben intakt. Niemand kann unter Hypnose zu etwas gezwungen werden, was er nicht will. Auch können sich die Patienten an alles erinnern, was in der Hypnose besprochen wurde. Dies führt bei Patienten am Anfang häufig zu dem Irrglauben, nicht in Trance gewesen zu sein.

Gemeinhin würde man die Hypnose in den Bereich der Psychologie bzw. Psychotherapie einordnen. Gibt es auch physiologische Indikationen für Hypnoseverfahren?

Christoph Micke: Erfahrungen gibt es mit vielen Erkrankungen, z.B. zur Unterstützung von chronischen Erkrankungen wie in der Onkologie oder bei Allergien. Auch bei Schlafstörungen hat sich die Hypnose bewährt. Gut einsetzen lässt sie sich auch in der Geburtsvorbereitung. Auch als Behandlung zur Unterstützung bei Übergewicht und bei Raucherentwöhnung hat sich Hypnose bewährt.

Ist Hypnose eine Methode zur Ermittlung einer Diagnose oder eine Form der Therapie?

Christoph Micke: Beides ist richtig. Unter der Hypnose ist es möglich, Ursachen für verschiedene Störungen zu eruieren, zum Beispiel Ursachen für Albträume, Flugangst und Ähnliches. Ist die Ursache erkannt, ist auch eine Behandlung in Hypnose möglich.

Für welche Beschwerdeformen werden Anwendungen von Hypnose heute genutzt?

Christoph Micke: Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten. So ist eine Unterstützung bei der Schmerzbehandlung möglich, Unterstützung bei chronischen Erkrankungen oder Schlafstörungen. Auch Allergien können behandelt werden. In der Zahnmedizin ist es möglich Ängste zu reduzieren, die Schmerzkontrolle zu verbessern, sogar eine Anästhesie – sprich Betäubung – ist möglich. Es gibt Beispiele von Patienten, die nur unter Hypnose sich komplette Implantate haben einsetzen lassen. Im psychischen Bereich ist die Behandlung von Ängsten, Depression, Zwangsstörungen oder Stressbewältigung möglich. Aber die Hypnose ist kein Wunderding.

Wie läuft eine Hypnose konkret in der praktischen Anwendung ab?

Christoph Micke: Als erstes muss geklärt werden, ob die Hypnose das geeignete Verfahren ist. Patient und Therapeut müssen in gewisser Weise auch zusammenpassen. Dann findet eine Einleitung statt. Dies kann individuell sehr unterschiedlich sein, eine detaillierte Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen. In der Trance findet dann die Behandlung statt.

Gibt es Patienten, für die Hypnose nicht in Frage kommen und gibt es konkret definierte Kontraindikationen?

Christoph Micke: Bei ungeklärter medizinischer Diagnose sollte von einer Hypnosetherapie Abstand genommen werden. Die Symptomverbesserung wie die Schmerzlinderung könnte dazu beitragen, dass eine ernsthafte organische Erkrankung nicht oder zu spät erkannt wird. Bei psychiatrischen Diagnosen wie Psychosen oder manisch-depressiven Erkrankungen wird man generell von einer Hypnose absehen. Allerdings gibt es auch Ansätze, Psychosen mit Hypnose zu behandeln bzw. mitzubehandeln. Bei diesen Erkrankungen steht die medikamentöse Behandlung jedoch absolut im Vordergrund.

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