Gesundheitsforum
„Nikotinkonsum ist größter Risikofaktor“

coesfeld. Erkrankungen des Gefäßsystems stellen ein immer größer werdendes Problem dar, so z.B. die sogenannte „Schaufensterkrankheit“, Gefäßverschluss, Krampfadern, Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Schmerzen in den Extremitäten, also Armen und Beinen, können hier ihre Ursache haben. Die Christophorus-Kliniken bieten im Rahmen des Coesfelder Gesundheitsforums am Mittwoch (18. 9.) um 19 Uhr im Vortragsraum der Christophorus-Kliniken Coesfeld, Südring 41, einen Vortrag zum Thema „Gefäßerkrankungen – von kalten Füßen bis zum Schlaganfall“ an. Referent ist Dr. Felix Middendorf, Oberarzt der Chirurgischen Klinik 1. Der Facharzt für Chirurgie sowie Facharzt für Gefäßchirurgie gibt einen Überblick über Gefäßerkrankungen und geht auf therapeutische Möglichkeiten ein. AZ-Redakteur Thomas Lanfer führte zu diesem Themenkomplex folgendes Interview mit Dr. Middendorf.

Montag, 16.09.2019, 09:52 Uhr
Gesundheitsforum: „Nikotinkonsum ist größter Risikofaktor“
Dr. Felix Middendorf von den Christophorus-Kliniken Coesfeld. Foto: az

Herr Dr. Middendorf, ist die statistische Zunahme von Gefäßerkrankungen auch ein Phänomen der steigenden Lebenserwartung oder ergibt sich empirisch bereinigt eine generelle Steigerung z.B. aufgrund unserer Lebensweise wie der Ernährung, Bewegungsmangel oder Nikotinkonsum?

Dr. Middendorf: Sicherlich ist die Zunahme der Gefäßerkrankungen sowohl auf die steigende Lebenserwartung als auch auf Risikofaktoren zurückzuführen. Dazu gehören Nikotinkonsum, aber auch bestimmte Fehler in der Ernährung und weitere Erkrankungen wie erhöhter Blutdruck, Gicht oder Diabetes mellitus.

Vor einiger Zeit wurde generell ein hoher Cholesterinspiegel im Blut als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen angesehen, dann folgte eine Diskussion über das „gute“ und „schlechte“ Cholesterin. Wie ist der Erkenntnisstand in der Medizin heute?

Dr. Middendorf: Nach wie vor gilt, dass eine abwechslungsreiche Kost wie z.B. die Mittelmeerdiät besonders gesund ist und insbesondere für das Herz-Kreislaufsystem eine schützende Wirkung haben kann.

Welche weiteren Risikofaktoren erhöhen die Gefahr von Gefäßerkrankungen?

Dr. Middendorf: An der ersten Stelle ist nach wie vor der Konsum von Nikotin zu nennen, insbesondere, da nur wenige Patienten es schaffen, auf diesen Suchtstoff zu verzichten. Ein erhöhter Blutdruck ist ebenfalls einer der wichtigsten Risikofaktoren, der sich jedoch in der Regel gut beherrschen lässt. Genauso wichtig ist ein gut eingestellter Blutzuckerwert bei Diabetes mellitus wie auch eine ausreichende Therapie bei erhöhten Harnsäure- oder Blutfettwerten.

In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Gefäßerkrankungen signifikant verändert. Welche Fortschritte sind die wichtigsten?

Dr. Middendorf: An erster Stelle sind hier sicherlich die enormen Verbesserungen im Bereich der interventionellen Techniken zur Wiedereröffnung enger oder gar verschlossener Blutadern durch Katheter und Stents zu nennen. Es gibt seit einigen Jahren spezielle Geräte, die wie eine Fräse selbst kalkharte Wandveränderungen entfernen oder abtragen können. Zudem sind medikamentenbeschichtete Ballonkatheter und Stents entwickelt worden, die die mittel- und langfristige Offenheitsrate nach Gefäßinterventionen deutlich verbessert haben. Nicht zuletzt ist hier auch die sogenannte EVAR zu nennen, eine Methode, bei der krankhafte Erweiterungen großer Adern wie z.B. der Bauchschlagader durch kleine Punktionen im Bereich der Leisten versorgt werden können, ohne, wie früher üblich, einen großen Bauchschnitt vorzunehmen.

Gibt es eine genetische Disposition für Gefäßerkrankungen und kann man durch bestimmte Verhaltensweisen diesen vorbeugen?

Dr. Middendorf: Ja, eine genetische Disposition wird vermutet. Bereits in Adern von Säuglingen fanden sich schon typische Wandveränderungen. Diese führen jedoch oft erst in fortgeschrittenem Alter zum Ausbruch der Krankheit. Konkret bedeutet dies, dass einige Patienten erst in der siebten oder achten Dekade des Lebens unter den Symptomen wie Wadenschmerz oder Gewebsuntergängen an Füßen oder Beinen leiden, während andere in Kombination mit den genannten Risikofaktoren bereits deutlich früher entsprechende Beschwerden haben.

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