Angehender Koch Philipp Kleideiter qualifiziert sich für nordrhein-westfälische Meisterschaft
Freundebücher dokumentieren Traum

Billerbeck. Dass er später einmal mit dem Kochen seinen Unterhalt bestreiten möchte, stand für Philipp Kleideiter fest, als er noch in den Kinderschuhen steckte. „In der zweiten Klasse habe ich in die Freundebücher von Mitschülern in die Rubrik Traumberuf Koch eingetragen“, sagt der 19-Jährige grinsend, der eine dreijährige Ausbildung zum Koch in der Billerbecker Domschenke Groll absolviert. „Für mich kam gar nichts anderes in Frage.“

Sonntag, 12.05.2013, 09:16 Uhr

Deshalb begann er schon vor vielen Jahren damit, in seiner Freizeit für seine Mitmenschen Gerichte zuzubereiten. Nach mehreren Praktika in dem Billerbecker Betrieb trat Philipp vor fast drei Jahren, nach der Realschule, dort die Ausbildung an. Seitdem hat er bereits einige Erfolge verzeichnet: Per Vorentscheid qualifizierte sich der Azubi für die Westfalen-Meisterschaft des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), bei dem er nicht nur fachbezogenes Wissen unter Beweis stellen musste, sondern ebenso Mathe-Kenntnisse.

Bei der Westfalen-Meisterschaft ging es um die Praxis: „Zu Anfang bekam ich einen Warenkorb, aus dem ich jeweils ein bestimmtes Produkt für einen der insgesamt vier Gänge verwenden musste“, benennt er den Wettbewerbsgegenstand. Unter anderem mit den Menüs Zanderfilet auf Haut gebraten, gespickt mit Basilikum sowie Roulade im Spitzkohlmantel mit Pastinaken-Püree und Walnuss-Spätzle in heller Portweinsauce traf der Nachwuchskoch genau den Geschmack der Jury. Nachdem er das Menü sowie den Arbeitsablauf schriftlich notiert hatte, hatte er sechs Stunden Zeit, bis er den ersten Gang für insgesamt zehn Personen herausgeben musste. Er belegte den ersten Platz. Im Februar hatte Philipp bereits Silber bei dem Wettbewerb um die Hupfer-Münsterland-Gabel geholt.

„Damit habe ich mich für die Nordrhein-Westfalen-Meisterschaften qualifiziert“, sagt Philipp, der nicht nur einen Pokal für seine außerordentliche Leistung erhalten, sondern ebenso eine zweitägige Reise für zwei Personen nach Berlin gewonnen hat. Wann der nächste Wettbewerb anstehe, sei derzeit noch ungewiss, so Philipp, der in der Domschenke Groll zu insgesamt elf Auszubildenden gehört.

Ab Sommer heißt es dann für den Billerbecker erneut: Schulbank drücken. „In Münster möchte ich innerhalb eines Jahres mein Fach-Abitur nachholen.“ Sein Ziel danach sei es, in Österreich oder der Schweiz als Koch tätig zu sein. „Falls ich irgendwann doch noch einmal studieren möchte, kann ich direkt durchstarten“, benennt er den Grund für die schulische Weiterbildung.

Anfangs dachte Philipp, dass er schon einiges in der Küche kann. „Aber schon nach wenigen Tagen habe ich gemerkt, dass vieles davon hier nicht zu gebrauchen ist.“ Zu seinen Aufgaben zählt neben dem Kochen die Dokumentation der Hygiene sowie Wareneingangs- und Ausgangskontrollen, bei denen er die Temperatur, die Vollständigkeit und die Haltbarkeit der Produkte überprüft. An seiner Arbeit schätze er vor allem die Kreativität – beispielsweise beim Herrichten eines Tellers.

Neben dem Interesse an dem Job ist Inhaber Frank Groll wichtig, dass die Azubis zum einem dem Gast etwas Tolles bieten möchten und zum anderen über Kreativität verfügen. „Daher achte ich auf die Note in dem Fach Kunst“, so Groll. Für dieses Jahr seien alle Ausbildungsplätze in seinem Unternehmen vergeben. „Interessierte sollten sich trotzdem bewerben, keine Scheu haben.“ Schließlich habe er schon oftmals erlebt, dass die Lehrlinge nach kurzer Zeit feststellten, dass der Beruf nicht der Richtige für sie ist.

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