Lennart Gerdelmann aus Coesfeld macht ein Auslandssemester in Indien / „Größtmöglicher Kontrast“
Insekten-Loveparade im Land der heiligen Kuh

Coesfeld/Coimbatore. Für ein halbes Jahr in eine andere Welt. Dieses Ziel hatte sich Lennart Gerdelmann gesetzt, als er im August für ein Auslandssemester nach Indien geflogen ist. Der 22-jährige Student der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule in Münster bleibt noch bis Februar im Land der heiligen Kuh. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Daniel Peters schildert der Coesfelder seine Eindrücke.

Freitag, 29.11.2013, 10:34 Uhr

Hast du dich auf den Auslandsaufenthalt besonders vorbereitet?

Lennart: Besondere Vorbereitungen habe ich nicht getroffen, außer dem Besuch eines Einführungsseminars. Vor meinem Flug nach Indien hatte ich die zwei Monate der Semesterferien für eine Asien-Rundreise verplant. Ich dachte mir, die Erkenntnisse, die ich in China, Singapur oder Kambodscha gewinnen könnte, sollten mich ausreichend auf Indien vorbereiten.

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, nach Indien zu gehen?

Lennart: Indien bot in meinen Augen den größtmöglichen Kontrast zu Deutschland. Um meinen Erfahrungshorizont zu erweitern, wollte ich ein Land bereisen, was kulturell nicht weiter von Deutschland entfernt sein könnte. Außerdem ist Indien für mich vor allem durch seine religiös geprägte Kultur ein Land, was unglaublich viel zu bieten hat: von einer beschaulichen High Society bis hin zu einer unübersehbar flächendeckenden Armut ist alles dabei.

Wo zeigen sich denn die größten kulturellen Unterschiede? Hattest du einen Kulturschock?

Lennart: Also meine ersten Nahtoderfahrungen habe ich bei der Erkundung des indischen Straßenverkehrs gemacht und der Anblick der vermüllten Straßen hat mich auch geschockt. Hinzu kommt der extreme Geräuschpegel, den Autos, Menschen und Tiere hier mit vereinten Kräften verursachen. Besonders gewöhnungsbedürftig war auch die farbenfrohe Insekten-Loveparade, die sich nachts in meinem Hostelzimmer abspielte. Ich brauchte schon einige Zeit, um mich einzugewöhnen. Doch dann gewöhnt man sich genauso an das tägliche Essen von Bananenblättern wie an die indische Bürokratie und die offensichtliche Korruption in diesem Land.

Hast du in der Uni von Coimbatore schnell Anschluss gefunden?

Lennart: Ja. So war es auch kein Problem, genügend Leute zusammen zu bekommen, um meinen Geburtstag in typisch indisch-kitschiger Manier zu feiern. Dass dabei auch Kuchen in das Gesicht des Geburtstagskindes geschmiert wird, gilt als selbstverständlich.

Können Inder auch sonst gut feiern? Wie sehen indische Partys aus?

Lennart: Die Feierlichkeiten, drehen sich fast ausschließlich um Feste mit großer religiöser oder kultureller Bedeutung. Da Alkohol als gesellschaftlich verpönt gilt, trinken nur die wenigsten Männer zu diesen Anlässen. Für Frauen ist der Genuss vollkommen tabu. Nach Bars und Diskotheken sucht man hier vergeblich. Viele Festlichkeiten sind für mich gut nachvollziehbar. Andere irritierten mich aber etwas, wie die Feier der ersten Periode eines Mädchens.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2069060?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F947607%2F1805807%2F2606693%2F
Nachrichten-Ticker