Junge Szene
Anspruchsvolle und ausdrucksstarke Darbietung

Captain Phillips; 134 Minuten; Drama; Sony Pictures; 2013; FSK: ab 12 Jahren

Samstag, 30.11.2013, 11:34 Uhr

Piraten. Der Stoff, der tausend Geschichten inspirierte. Aus Jim Knopf, Fluch der Karibik oder Peter Pan kennen wir die Schrecken der Meere als mehr oder weniger angsteinflößende Gestalten, die mit gehisster Totenkopfflagge Jagd auf Schiffe machen. Doch so abwegig sind diese Geschichten nicht. Immer wieder ist in den Nachrichten die Rede von Piratenübergriffen. Nur haben diese Piraten wenig mit unseren harmlosen Kinderbuchvorstellungen zu tun.

2009 gerät der amerikanische Schiffskapitän Richard Phillips in die Fänge somalischer Piraten. Der 53-Jährige ist mit seiner Crew auf der Maersk Alabama auf einer Reise nach Mombasa von vier Piraten angegriffen worden, die ihn als Geisel mit in Richtung Somalia nahmen. Von dieser Entführung versprachen sich die perspektivlosen Piraten ein hohes Lösegeld. Vier Tage und unvergessliche Qualen später konnte er von der US-amerikanischen Navy befreit werden.

Mit Tom Hanks als Captain Phillips heuerte Regisseur Paul Greengrass definitiv den richtigen Mann an. Mit einer schauspielerischen Glanzleistung bringt er dem Zuschauer Phillips’ brenzlige Lage nahe und gibt dem gesamten Film ein gehöriges Maß an Emotion und Dramatik. Obwohl der Film keineswegs Unterhaltungszwecken dient, sondern vielmehr einem tatsachenorientierten Nerven-Thriller gleicht, ist das Geschehen spannend – gerade, weil dieser auf Fakten beruht.

Inwieweit Hollywood bei der Verfilmung von der Realitäts-Route abgekommen ist, lässt sich allerdings nicht genau sagen. Spekulationen, die den wahrhaftigen Ablauf der Dinge betreffen, bleiben also offen. „Captain Phillips“ ist ein anspruchsvoller Film, der sowohl gesellschaftskritisierende als auch psychoanalytische Aspekte in seiner Handlung aufweist.

Da die Gespräche der Somalier nur durch Untertitel zu verfolgen sind, erfordert das ständige Mitlesen eine gewisse Konzentration seitens der Kinobesucher. Wer also einen unterhaltsamen Film erwartet, sollte bei Captain Phillips dann eher nicht an Bord gehen. Charleen Florijn

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