Junge Szene
„Es gibt keine Schule, an der nicht gekifft wird“

Ob aus Neugierde, Flucht aus dem stressigen Alltag, wegen Depressionen oder aus Gruppendynamik – Cannabis wird bei Jugendlichen aus verschiedenen Gründen konsumiert. 19 Prozent aller jungen Erwachsenen rauchen Cannabis, dabei ist der Besitz der Droge streng illegal – zum Unverständnis einiger jungen Menschen.

Dienstag, 18.12.2018, 15:16 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 15:20 Uhr
Junge Szene: „Es gibt keine Schule, an der nicht gekifft wird“
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat im Oswald mit Schülern, Lehrern und Eltern über den Konsum von Cannabis und den Folgen geredet. Foto: Leon Seyock Foto: az

Um über dieses Thema zu diskutieren, ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, nach Coesfeld gekommen. Die Diskussionsrunde im Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg stand für alle Interessierten offen, auch Jugendliche haben daran teilgenommen. „Bereits mit 16 Jahren kann man Wein kaufen, damit kann man sich ins Koma trinken. Warum ist das möglich, aber Cannabis ist illegal?“, fragte ein Jugendlicher die Drogenbeauftragte. Dadurch wirke das Gesetz unglaubwürdig. Mortler erwiderte, dass viele junge Menschen nicht um die gravierenden Folgen Bescheid wüssten: Hirnschäden, Depressionen, Abhängigkeit – all das werde ihrer Meinung nach zu sehr verharmlost.

Ihr Auftrag ist es, junge Menschen über diese Folgen aufzuklären. „Wir müssen die Prävention jetzt breit angreifen“, machte sie deutlich. Ab 14 Jahren sollen Jugendliche in Schulen Angebote zur Prävention und zur Information über den Konsum von Drogen erhalten. „Das ist zu spät. Warum macht man das nicht schon mit zwölf Jahren?“, merkte eine weitere junge Zuschauerin an. Das Problem sei, dass die Interessen in diesen jungen Jahren weit auseinander gingen, wie Dr. Gerhard Pohl von der Suchtprävention der Caritas erklärte: „Einige interessieren sich in diesem Alter überhaupt nicht für Drogen, andere sehr stark.“ Außerdem würden viele Jugendliche mit 15 Jahren anders über das Thema denken als mit zwölf Jahren.

„Ich bestimme über meinen eigenen Körper. Durch den Konsum von Drogen schade ich nur mir, und nicht anderen Menschen“, wies ein weiterer Jugendlicher auf das Selbstbestimmungsrecht hin. Mortler stimmte ihm zu, ihr gehe es aber vor allem um den Schutz der Gesundheit eines jeden Menschen. In ihren Augen sollen Konsumenten deshalb nicht bestraft, sondern für eine Behandlung gewonnen werden.

Die Frage nach Legalisierung stand schnell im Raum – dazu hatte Mortler eine eindeutige Position: „Wenn wir Cannabis legalisieren würden, dann würden junge Menschen noch schneller an die Droge kommen und noch mehr konsumieren.“

Zehn Prozent, so erklärte Mortler, aller Drogenkonsumenten leiden unter schweren Folgen des Konsums von Cannabis und werden abhängig. „Je früher und regelmäßiger der Konsum, desto gravierender sind die Folgen“, warnte Mortler. Die Hauptkonsumenten seien zwischen 15 und 25 Jahren alt. „Es gibt kein Gymnasium, keine Berufsschule, Realschule oder Hauptschule, an der nicht gekifft wird“, stellte Mortler heraus. Auch Schulleiter des Oswald-Berufskollegs, Marc-André Tews, fand es wichtig, über dieses Thema zu sprechen und mit den Jugendlichen in Diskussion zu treten. „Verheimlichung und Tabuisierung machen keinen Sinn“, sagte Tews.

Der Diskussionsabend war dazu ein Anfang – in Zukunft will die Bundesregierung Präventions-Programme in Schulen, Jugendeinrichtungen und Vereinen anbieten, um über den Konsum und die Folgen zu informieren.

Leon Seyock

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