Junge Szene
Ohne LTE läuft kaum noch was

Die digitale Zukunft verspricht viel: selbstfahrende Autos, die untereinander kommunizieren und Staumeldungen in Echtzeit weiterleiten, AR-Anwendungen, mit denen sich Städte virtuell erkunden lassen oder auch Drohnen, die Päckchen direkt zu den Menschen liefern. Einzige Bedingung: eine volle Mobilfunkabdeckung ohne (LTE-)Funklöcher. Doch genau daran hapert es im Moment noch, wie zuletzt auch ein von unserer Zeitung durchgeführter Netzcheck in Coesfeld zeigte.

Donnerstag, 04.04.2019, 17:47 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 11:31 Uhr
Ob mobile AR-Spiele wie Pokémon Go, die Navigation mittels Google Maps oder auch Youtube zum Musikhören unterwegs – ohne eine lückenlose Netzabdeckung läuft kaum etwas.
Ob mobile AR-Spiele wie Pokémon Go, die Navigation mittels Google Maps oder auch Youtube zum Musikhören unterwegs – ohne eine lückenlose Netzabdeckung läuft kaum etwas. Foto: Florian Schütte

Lückenlose LTE-Abdeckung gab es dabei nur mit einem Telekom-Tarif. Bei den anderen beiden großen Anbietern offenbarten sich Ausfälle vor allem in den Außenbezirken (Vodafone), aber auch in der Coesfelder City (Telefónica/O2). Doch es gibt gute Nachrichten: Eine Studie des Breitbandkompetenzzentrums NRW soll Funklöcher im Münsterland aufdecken und so Druck auf die Mobilfunkanbieter aufbauen. Die Studie wird vom Land gefördert.

„Die Infrastruktur muss da sein, damit wir in der Lage sind, innovative Lösungen anzubieten“, sagt Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer der wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld. „Wir raten den Konsumenten, keine UMTS-Tarife mehr abzuschließen, das sind Auslaufmodelle“, warnt Breitbandkoordinator Jochen Wilms. Ohne LTE – auch 4G genannt – als Mindeststandard geht also in Zukunft kaum noch etwas. Mittlerweile steht sogar schon die fünfte Mobilfunkgeneration in den Startlöchern. Denn: „Der Trend geht zu immer größeren Datenmengen“, meint Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld. Die Frequenzversteigerung von 5G hat begonnen. In einem ersten Vergabeverfahren werden zunächst vor allem Industrie-Konzerne oder auch Flughäfen von der Einführung dieses neuen Mobilfunkstandards profitieren. „Die Frequenzen reichen erstmal nur rund 500 bis 1000 Meter weit“, erklärt Jochen Wilms. Spannend werde das zweite Vergabeverfahren, bei dem es darum gehe, mit 5G auch den normalen Bürger zu erreichen. Für Echtzeit-Übertragungen wie beim autonomen Fahren, ist 5G in Zukunft unerlässlich.

Bis es soweit ist, müsse jedoch zuerst sichergestellt werden, dass 4G überall Standard ist. Doch selbst dazu müssten zurzeit rund 80 neue Masten im Kreis Coesfeld errichtet werden, wie die wfc bei ihren Messfahrten festgestellt hat. Und mit Freifunk oder anderen WLAN-Hotspots „wird man dieses Abdeckungsproblem nicht lösen“, ist sich Wilms sicher. Wenn auf Wanderwegen QR-Codes an bestimmten Stationen gescannt werden können, könne ja schlecht überall ein Hotspot installiert werden. Ebenfalls schwierig wird es bei mobilen Augmented Reality Games wie Pokémon Go, die bei einer UMTS-Verbindung (3G) bereits streiken. Auch die Navigation mittels Google Maps verlangt eine zuverlässige Internetverbindung.

Hinzu kommen oft noch Abschirmungsprobleme durch Gebäude oder Autos mit metallbedampften Scheiben. „Da fahren Leute mit einem faradayschen Käfig durchs Land und wundern sich, warum sie keinen Empfang haben“, sagt Dr. Jürgen Grüner. Es bleibt also noch einiges zu tun mit Blick auf die digitale Zukunft.

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