Junge Szene
Genügend Alternativen zum Kunststoff

Deutschland ist der EU-Rekordhalter im Plastikverbrauch. Jährlich werden hier 12,6 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert, mehr als in jedem anderen EU-Land. Birgit Schlüter sieht das als ein großes Problem, deshalb setzt sie sich für Nachhaltigkeit und Aufklärung ein und gibt Seminare dazu, „wie man durch nachhaltigen Konsum, Verpackungsmüll reduzieren kann“. Und das auch hier vor Ort. Bei einem ihrer Vorträge im Kolpinghaus Coesfeld gibt Birgit Schlüter zahlreiche Hinweise und Tipps zum reduzierten Plastikverbrauch.

Freitag, 03.05.2019, 10:44 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 18:46 Uhr
Junge Szene: Genügend Alternativen zum Kunststoff
Immer noch landet zu viel Plastik-Müll in der Umwelt. Foto: Pexels

Zum Frühstück ein Brot mit Käse, eine kleine Flasche Apfelsaft und einen Müsliriegel hinterher, die Verpackungen in den gelben Sack, damit sie als Fleecejacke oder PET-Flasche recycelt werden können – ist doch alles gut oder nicht? Der Müll der in der gelben Tonne landet, werde jedoch nicht immer recycelt. Es herrsche noch viel Unklarheit darüber, was damit eigentlich genau passiert. „In Statistiken wird zwar angegeben, dass 60 Prozent des gelben Sacks wiederverwertet werden“, erklärt Birgit Schlüter. „Ein Anteil des Mülls wird allerdings ins Ausland verschifft, um dort „recycelt“ zu werden – wie genau, ist oft nicht einsichtig.“ Auch Joghurtbecher, an denen noch der Aludeckel befestigt ist, Wurst- und Käseverpackungen mit verschiedenen Plastikarten oder beschichtete Tetrapacks würden verbrannt, wenn sie nicht richtig voneinander getrennt seien.

Immer mehr Menschen werden sich des Plastik-Problems bewusst und die Szene wächst. Auch ohne ins Extreme zu gehen, könne der Verbraucher einiges an Plastik einsparen. „Worauf sich relativ einfach verzichten lässt, sind beispielsweise Plastiktüten – im Durchschnitt 25 Minuten im Gebrauch, dafür 430 Jahre auf der Welt, bevor sie zerfallen“, erzählt Schlüter. „Daran denkt man oft gar nicht“. Bessere Alternative: Zum Einkauf einfach eine Stofftasche mitnehmen. Oft wird Gemüse in Plastik verpackt, um es wertiger und qualitativ hochwertiger aussehen zu lassen. Hier gibt es oft eine unverpackte Alternative zum Abwiegen, natürlich sollte man dann aber auch auf den Plastikbeutel verzichten und den Sticker einfach auf die Ware kleben. „Bei anderen Lebensmitteln kann man auf Verpackungen aus Pappe achten und seinen Müll beim Entsorgen ordentlich trennen“, ergänzt Schlüter.

Doch das Plastik schleicht sich auch bei vermeintlichem Verzicht ein. Als Tipp verrät die Referentin: „So ist zum Beispiel die Gummiverdichtung bei Einmachgläsern im Regelfall aus Plastik mit Weichmachern, deshalb beim Kauf genau darauf achten.“ Die Weichmacher seien nämlich neben dem Müll ein weiteres Problem, da sie zu Beschwerden wie Fettleibigkeit, Schilddrüsenproblemen und einer späteren Pubertät bei Mädchen führen können.

Besonders viel Plastik landet im Meer, viele Menschen haben bereits von den Müllstrudeln gehört. Gerade das Mikroplastik ist gefährlich – es gelangt durch Zersetzung von Plastikgegenständen oder dem Abrieb von Autoreifen ins Meer. Für das Auge unsichtbar sinkt es auf den Grund und erstickt dort Korallenriffe oder wird durch Fische in die Nahrungskette aufgenommen. Dadurch ist auch der Mensch als Endverbraucher betroffen. Birgit Schlüter beendet ihren Vortrag mit einem letzten Aufruf: „Der Plastikkonsum geht jeden etwas an – im Alltag einfach mal genauer darüber nachdenken und sich fragen: Brauch ich das wirklich?“

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