Polizei misst Tempo mit Ludgerischülern / Viertklässler führen Gespräche mit Autofahrern
Kindern zeigen Rasern Rote Karte

Coesfeld. Ein bisschen verblüfft schien er schon gewesen zu sein, dass die Polizei ihn herausgewunken hat. Doch als die Schüler der Ludgerischule an Christian Averkamp herantreten, ihm die Grüne Karte überreichen und ein „Danke, dass Sie sich an die Geschwindigkeit gehalten haben“, wispern, ist alles gut. „Keine Ursache, ich habe selbst zwei Enkelkinder“, sagt der Coesfelder. Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen bei der Tempokontrolle, die die Polizei zusammen mit den Viertklässlern im Bereich der Ludgerischule durchgeführt hat. Doch das gilt nicht für alle Autofahrer.

Montag, 25.11.2013, 17:54 Uhr

„Die müssen hier ein bisschen langsamer werden“, sagt Laura Händel. Zusammen mit ihren Schulkameraden sowie Thomas Mühlenkamp und Julia Gausling vom Ordnungsamt versteckt sie sich hinter einem parkenden Auto. Alle starren gebannt auf die Anzeigetafel für die Geschwindigkeit. „Einer ist hier schon mit 39 hergefahren“, erzählt die zehnjährige Laura. Bis 33 km/h bleibe der Daumen für die Autofahrer noch oben. Dass Rasen „uncool“ und gerade im Schulbereich äußerst gefährlich ist – darin sind sich alle Kinder einig.

Plötzlich schießt ein grüner Polo heran. 45 Kilometer pro Stunde und damit 15 km/h zu schnell für die Tempo-30-Zone. Am Steuer: ein junger Mann. Daumen runter signalisieren die Kinder dem Bezirksbeamten Udo Stöhler, der den 20-jährigen Temposünder herauswinkt. Im Busrondell nehmen die Kinder ihn ins Gebet, geben ihm die Rote Karte und mahnen zu mehr Rücksicht. Warum er so flott unterwegs sei? „Ich bin spät dran zur Arbeit“, sagt der Mann in gebrochenem Englisch.

Die Kinder haben sichtlich Spaß dabei, der Polizei unter die Arme greifen zu dürfen. „Die haben sich alle sofort bereit erklärt“, lobt Udo Stöhler die Ludgerischüler.

Nachbarn der Ludgerischule haben die Polizei auf Tempoverstöße aufmerksam gemacht. „Wir wollten es diesmal ein bisschen spielerisch aufziehen“, sagt Martin Pollmann, Pressesprecher der Polizei Coesfeld über die Idee, die Schüler in die Messungen miteinzubeziehen. Auch wenn einige Fahrer zuviel aufs Gas gedrückt haben – zur Kasse gebeten wurde niemand.

Udo Stöhler glaubt indes, dass der mahnende Zeigefinger der Schüler bei vielen Rasern mehr Wirkung zeige, als ein Gespräch mit der Polizei. Auch an anderen Grundschulen soll die Aktion demnächst wiederholt werden.

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