Requiem von Brahms begeisterte Publikum im Konzert Theater
Auf Silbertablett serviert

Coesfeld. Das Requiem von Johannes Brahms ist in mehrfacher Hinsicht monumental, gleichzeitig gilt es als eines der beliebtesten Chorwerke in der abendländischen Musikgeschichte. Doch es stellt an Ausführende wie Hörende gleichermaßen hohe Anforderungen.

Donnerstag, 28.11.2013, 16:43 Uhr

Wo aber die Bereitschaft zum Erfassen komplexer Strukturen sowie zu gesteigerter Leistung vorhanden ist, wird ein überwältigender romantischer Ausdruck sichtbar. Viele fühlen sich deshalb, vielleicht auch durch eine persönliche intensive Beziehung, von dieser Musik angerührt, wenn nicht gar ergriffen – auch in einer Zeit, in der der vorweihnachtliche kommerzielle Aspekt bereits das Denken beeinflusst.

So agierten im Konzert Theater Dorothea Brandt, Sopran, Thomas Laske, Bariton, das Sinfonieorchester Wuppertal und der Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal unter der Leitung von Jörg-Peter Weigle. Brahms benutzt in seinem „deutschen“ Requiem nicht den liturgischen Text, sondern biblische Zitate, die überwiegend dem Chor als dem wesentlichen Träger des Werkes zugeordnet sind.

Zu Beginn entfaltet sich ein von tiefen Streichern getragener Chor („Selig sind, die da Leid tragen“), fast zu sehr piano, aber in leichtem Kontrast dazu der folgende mehrteilige Satz, der den ganzen Geist des Werkes widerspiegelt: neben der Mahnung an die Vergänglichkeit des Menschen ein Ausblick auf die Freuden des ewigen Lebens, wobei die dynamische Wechselwirkung der Gruppen sehr beeindruckte.

Die baritonale Partie „Herr, lehre doch mich“ gestaltete Thomas Laske, straff, aber mit innerer Kraft, der damit verbundene Chor, eine mitreißende Steigerung („Ich hoffe auf dich“) führte mit rhythmischen Raffinessen zu einem fugato über einen präsenten Bass.

Wie auf einem Silbertablett serviert erschien eine der schönsten Nummern im zarten Dreivierteltakt in der Mitte des Werkes „Wie lieblich sind deine Wohnungen“. Die Sopranistin Dorothea Brandt sang sehr klangschön, hier aber hätten etwas schärfere Konsonanten in der Aussprache gut getan.

Für viele Hörende machtvoll und erschütternd zugleich das leichte non legato „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“. Chor und Dirigent, vor menschlichen Schwächen und außermusikalischen Einflüssen nicht sicher, bewältigten tapfer die grandiosen Fugen, allzeit getragen von einem engagierten Orchester, dessen Blechbläserklang keinesfalls zu stark wirkte.

Ebenso wie mit dieser starken Orchesterbesetzung ist der Komponist in den Chorsätzen nicht kleinlich: Brahms stellt außerordentlich hohe Anforderungen an das sängerische Potenzial. Ob hohe Lagen, Homogenität oder Intonation, der stattlich besetzte Chor zeigte sich in bester Verfassung, sowohl in den klanglich dramatischen Ausbrüchen als auch im ruhevollen Dahinströmen. Der Schluss „Selig sind die Toten“ wurde zu einer verklingenden Aussage des Abends.

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