Staraufgebot im Konzert Theater strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer
Köstlicher Jahresrückblick mit Jörg Knör

Coesfeld. Einen Jahresrückblick, bei dem Tränen gelacht werden, der nicht die heroischen Momente in den Fokus rückt, sondern die peinlichen unter dem Teppich hervorholt und bei dem sich die echten und vermeintlichen Stars am laufenden Band die Klinke in die Hand geben – den gibt es im Konzert Theater mit Multitalent Jörg Knör.

Freitag, 13.12.2013, 18:25 Uhr

„Was für ein Anblick“, freut sich Knör angesichts des fast ausverkauften Saales und ergänzt: „Ich hab’s verdient“, bevor er loslegt mit seinem subjektiven Rückblick eines sehr ergiebigen Jahres. Da gilt es erst einmal innezuhalten für eine große Persönlichkeit – alle warten auf ein Foto Nelson Mandelas, aber zu sehen ist Karl Dall, über dessen erotische Eskapaden sich Knör auslässt. Das Innehalten für die Verstorbenen von Mandela über Chris Howland und Otto Sander bis Dieter Hildebrand und Marcel Reich-Ranicki („Er lieferte den Honig, den alle Kabarettisten eingesaugt haben.“), folgt später. „Das war’s mit Stars“ betitelt Knör seinen jährlichen Rückblick.

Logisch, dass da das peinliche Duell von Boris Becker und Oliver Pocher nicht fehlen darf. Allein schon eine Lachnummer, setzt Knör dem Ganzen die Krone auf, indem er Heinz Erhardt das Resümee ziehen lässt, „da hat sich Bum-Bum-Becker selbst erschossen“. Wie ein Chamäleon schlüpft Knör in die verschiedenen Rollen, passt nicht nur die Stimme, sondern auch Mimik, Gestik und Körperhaltung so perfekt an die zu imitierende Person an, dass sein eigenes Aussehen dabei völlig in den Hintergrund tritt. Das alleine zu beobachten, macht den Zuschauern Spaß. Darüber hinaus versteht es Knör aber auch hervorragend, bei seinen Parodien zum Vergnügen des Publikums zielsicher Schwachpunkte aufzuzeigen. Knör imitiert, karikiert, persifliert, improvisiert, tanzt und singt über beinahe drei Stunden und das fast ohne Längen – Kompliment!

Ob er einen Kinotrailer zu einem Monumentalwerk (das Limburger Bistum) spricht, beim neuen Papst Ähnlichkeit mit Biolek entdeckt, im Zuge der aktuellen Umfrage nach dem bedeutendsten Kanzler alle auf die Bühne holt (ein Kabinettstückchen die Szenen mit dem qualmenden Helmut Schmidt), oder über Berlusconi lästert – Knör zündet ein funkensprühendes Pointenfeuerwerk.

Von Heino über Queen Elisabeth bis Mario Barth und Désirée Nick – er hat sie alle drauf, brilliert natürlich auch in seinen unvermeidlichen Paraderollen als Inge Meisel oder Udo Lindenberg. Und gesteht freimütig: „Ich bin ja gern ein bisschen albern“, was vor allem auf den zweiten Teil zutrifft. Da ufert er schon manchmal etwas aus. Die Zuschauer verzeihen es ihm aber gern, weil er immer wieder echte Klopper heraushaut. Oder als Schnellzeichner und toller Musiker mit Flöte und Saxophon weitere Talente unter Beweis stellt. | Zitate

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