Wagner-Oper „Tristan und Isolde“: Langer Beifall nach vier Stunden Spielzeit
Betörender Orchesterklang unterm Mond

Coesfeld. Wohlweislich wurde der Spielbeginn der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“ des Oldenburgischen Staatstheaters im Konzert Theater am Sonntagnachmittag auf 15 Uhr verlegt, denn inklusive der zwei Pausen dauerte die Aufführung im vollbesetzten Auditorium knapp fünf Stunden.

Montag, 03.02.2014, 18:15 Uhr aktualisiert: 05.02.2014, 10:22 Uhr

Mark Twain sagte über Wagner: „Seine Musik ist besser als sie klingt.“ Was mag er seinerzeit wohl für ein Orchester vorgefunden haben? Dieses Zitat lässt sich jedenfalls nicht auf das Orchester und die vokalen Interpreten aus Oldenburg anwenden.

Alle hinterließen einen ganz hervorragenden Eindruck. Wagner selbst war es, der befürchtete, dass mäßige Akteure bei der Uraufführung am 10. Juni 1865 überfordert würden. Wohlwissend, dass von den Sängern und dem Orchester alles abverlangt wird. In einem Brief an Mathilde Wesendonck heißt es: „Ich fürchte die Oper wird verboten – falls durch schlechte Aufführung nicht das Ganze parodiert wird.“

Eine Herausforderung ist die Oldenburgische Inszenierung von Alexander Müller-Elnau und der musikalischen Leitung von Robin Dans auch heute noch. Unglaublich, über welches Stimmvolumen und Durchhaltevermögen besonders Christian Vogt (Tristan), Melanie Maennl (Isolde) und Benjamin LeClair (König Marke) verfügen, um überhaupt die schwierigen Partien meistern zu können. Man fragt sich, woher nehmen die eigentlich die Kraft dazu? Man kommt mit einem spartanischen Bühnenbild aus. Ein riesiger Vollmond beleuchtet beim Vorspiel und Beginn der drei Akte die düstere Szenerie. Den Rest schaffen die ausdrucksstarken Sängerinnen und Sänger.

Das Publikum staunte nicht schlecht, als gelegentlich ein leibhaftiger Hund über die Bühne lief. Der originelle Regieeinfall lockerte ein wenig auf ohne ein break zu verursachen. Der erste Aufzug spielt auf der Überfahrt von Irland nach Cornwall, wo Tristan als Brautwerber für den König Marke die Königstochter Isolde abholt. Hier beginnt die komplizierte Liebegeschichte, wo aus einem Mörder des Verlobten von Isolde durch einen Liebestrank Isoldes Geliebter wird. Der zweite Aufzug spielt im Garten der Burg von König Marke in Cornwall, wo Tristan und Isolde sich heimlich treffen und sich ganz ihrer Liebe hingeben. Wunderbar das Duett „O sink hernieder, Nacht der Liebe“.

Nun werden sie aber von König Marke ertappt, der natürlich etwas gegen diese Liebe hat. Tristan und Isolde beschließen im gemeinsamen Tod die Erfüllung ihrer Liebe zu finden. Von Melot (Paul Brady) verwundet, bricht Tristan schwerverletzt zusammen. Der letzte Aufzug handelt auf Tristans Burg Kareol in der Bretagne. Im Fiebertraum sehnt er sich nach Isolde, die durch einen Boten auf seine Burg geholt wird. Das Wiedersehen währte nur kurz, in ihren Armen stirbt er. Mit der grandiosen Schlussarie von Isolde „Mild und leise wie er lächelt, wie das Auge hold er öffnet“ endet die Mammutoper, wo das Publikum durch Spannung, Dramatik und der Musik gefesselt wurde. Langeweile kam trotz vier Stunden Spielzeit nicht auf. Ernst-Ferdinand Bussen aus Ochtrup am Ende der Aufführung: „Eine beeindruckende Inszenierung mit einem betörendem Orchesterklang und ausgezeichneten Solisten.“ Den stehenden Ovationen ging ein minutenlanger Beifall voraus.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2199255?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker