Zwei Dutzend Gescheraner waren in Stalingrad eingesetzt / Kapitulation am 2. 2. 1943
Im Kessel zermürbt

Gescher. „Stalingrad – Massengrab!“, plärrten die von deutschen Kommunisten betriebenen Lautsprecheranlagen Tag für Tag in den Kessel von Stalingrad, in dem die deutsche 6. Armee eingeschlossen war. Die Moral der deutschen Truppen sollte zerstört und ihre Bereitschaft zum Überlaufen gefördert werden. Der Erfolg der Bemühungen blieb gering. Schon über drei Jahre dauerte der Zweite Weltkrieg. Entgegen den Hoffnungen Hitlers gab sich die Sowjetunion nach dem deutschen Angriff im Sommer 1941 nicht in einem Blitzkrieg geschlagen. General Winter hatte die Wehrmacht vor Moskau gestoppt.

Donnerstag, 31.01.2013, 15:48 Uhr

Im zweiten Jahr des Russlandfeldzuges sollte das Schwergewicht des Angriffes im Süden der Sowjetunion liegen, wo sich deren Ölquellen befanden. Tatsächlich stieß die Wehrmacht weit vor und hisste ihre Fahne auf den Höhen des Kaukasus.

Die 6. Armee hatte als Ziel die Wolga bei Stalingrad, um den Nachschub über diesen Fluss abzuschneiden. Im August erreichten die deutschen Truppen die Wolga und eroberten bis Ende Oktober 90 Prozent der Stadt, die bis 1925 noch Zarizyn geheißen hatte und dann zu Ehren des sowjetischen Diktators Stalin umbenannt wurde. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung hatte die 450 000-Einwohner-Stadt damit auch einen ideologischen Wert. Stalin konnte die Stadt mit seinem Namen nicht aufgeben. Für Hitler wäre die Eroberung umgekehrt ein Prestigegewinn gewesen.

Am 19. November 1943, als die Deutschen gerade die letzten Bezirke der Stadt erobern wollten, griffen vier sowjetische Armeen die Flanken der 6. Armee in einer Zangenbewegung an. Sie durchbrachen die Front der mit den Deutschen verbündeten rumänischen Armee und machten nach nur vier Tagen „den Sack zu“. Die 6. Armee war eingekesselt. Mit dabei waren auch zwei Dutzend Gescheraner. Theodor Blommel vom Venneweg, Bernhard Terhechte aus Büren und Tons Bruns aus der Armlandstraße fanden bei den Kämpfen den Tod.

Hitler erklärte Stalingrad zur Festung, die sich bis zur letzten Patrone zu verteidigen hatte. Die Luftwaffe würde die Versorgung übernehmen, wie es im Jahr vorher beim Kessel von Demjansk geglückt war. In der Praxis sah das anders aus: Wegen der schlechten Witterung ließ sich an kaum einem Tag genügend Nachschub einfliegen, an die 500 Flugzeuge gingen verloren. Die Panzer eines Angriffes unter General von Manstein konnten sich nur bis auf 50 Kilometer an den Kessel herankämpfen. Schon bald zermürbten grimmige Kälte und Hunger die Eingeschlossenen, zu denen auch viele russische Zivilisten gehörten. Deren Evakuierung hatte Stalin zunächst verboten.

Einer der Eingeschlossenen war Anstreichermeister Josef Heming von der Bahnhofstraße, der als Fahrer bei einem Stab eingesetzt war. Von ihm haben sich viele Briefe in die Heimat erhalten. Sein letzter Brief datiert vom 13. Januar 1943. War er 14 Tage vorher noch voller Zuversicht gewesen, dass man bis Ende Februar aushalten könne, so schrieb er jetzt: „Der Russe drängt die letzten Tage sehr. Es ist bestimmt ein Wunder, wenn wir hier noch wieder heraus kommen.“ Zwei Tage später ging der Flugplatz verloren, über den er seine Post verschicken konnte. Von da an war die Versorgung nur noch durch Abwürfe möglich. Kein Brief erreichte mehr Gescher. Als am 2. Februar die 6. Armee kapitulierte, wurde in Deutschland eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Am 18. Dezember hatten sich etwa 230 000 deutsche und verbündete (Rumänen und Kroaten) Truppen im Kessel befunden. 42 000 Verwundete, Kranke und Spezialisten wurden in den folgenden Wochen ausgeflogen.

117 000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft, weniger als 6000 von ihnen sahen die Heimat wieder. Erschöpfung, Todesmärsche, Hunger, Lagerkrankheiten werden als Todesursachen angegeben. Aus Gescher starben bei den letzten Kämpfen oder in Gefangenschaft Aloys Graffe, Lindenstraße, Franz Hagmann, Stadtlohner Straße, August Hörnemann, Franz-Josef-Straße, Josef Hovestadt aus Estern, Hubert Höing, Anton Kloster, Josef Kloster und Anton Kloster aus Tungerloh-Capellen, Werner Wittich, Frieterhof, August Sander, Hermann Lüdiger, Bernhard Hayck und Clemens Blesenkemper, der nicht einmal 17 Jahre alt wurde.

Josef Roß aus Tungerloh-Pröbsting verlor in Stalingrad seinen rechten Arm. Schwerverletzt wurde er ausgeflogen und rettete dadurch sein Leben.

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