„Jesses Maria“: Carla Berling begeistert Publikum mit Direktheit und brillanten Beobachtungen
Alltägliches wird humorvoll umgepolt

Gescher. Hier schreibt eine gestandene Frau über Frauen in einer Direktheit, die das das Alltägliche zum Kabarett des Lebens erhebt. Carla Berling ist die Wunderschreiberin, die mit der ausverkauften Lesung „Temperamentvolle Gemeinheiten“ zum Internationalen Frauentag im Alten Kutschenmuseum die überwiegend weiblichen Besucher in ihren Bann zog. Christiane Betting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gescher, hatte sie in Kooperation mit den Museen der Stadt Gescher, Ihr Buchladen, dem Stadtmarketing und Secco dazu eingeladen.

Mittwoch, 06.03.2013, 17:24 Uhr

Im Gepäck hatte Berling zwei schmale unscheinbar wirkende Bändchen, die es in sich hatten. „Jesses Maria: Kulturschock“ und „Jesses Maria: Wechseljahre“ sind die Titel der beiden Bändchen. Ein dritter schmaler Band „Jesses Maria - Hochzeitstag“ wird im September erscheinen. Auch aus diesem Büchlein las sie eine Geschichte.

Immer wieder erstaunte und erheiterte Berling mit der Wiedergabe der spitzfindigen Beobachtungsgabe, die das Malheur des Alltags zum humorvollen Event erhob, über das selbst die Akteure zum Schluss lachen konnten. Unwichtiges des Alltags wird wichtig, durchflochten mit dem üblichen Klatsch und Tratsch, der jede Frau immer wieder im falschen Moment ausbremst.

Protagonistin ist die Ostwestfälin Maria Jesse, die sich mit ihrer Freundin Conny über Wechseljahre austauscht. „Es ist alles gelogen“, schickte Berling vorweg. Spätestens da wusste jeder, der Berlings biografischer Einleitung aufmerksam gefolgt war, dass einiges doch wahr sein muss. Berling ist 52 Jahre, stammt aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen und lebt seit zehn Jahren in Köln.

Die Hauptfigur Maria überfallen die Wechseljahre im Drogeriemarkt, als sie gerade einen Lippenstift ausprobieren möchte, kein kostenloses Tuch zum Entfernen findet und vollkommen unvorbereitet vom „ersten schweren Fieberschub“ überrascht wird. „Das ist ungerecht. Conny geht es in allen Belangen gut und ich schwitze“, las Berling. Vom ersten Mal mit Mischa, wo sie seine „Knacker-Brühwurst“ sah, über den Besuch beim viel zu gut aussehenden Frauenarzt zu den allzu menschlichen Folgen des Genusses von Grünkohl reichte die Palette der „Alltäglichkeiten“.

Herrlich amüsant schilderte sie den Besuch des Gottesdienstes am Heiligabend, in der die bekannten Gesichter genau analysiert wurden. Dennoch musste sie immer wieder an den Rinderbraten für ihren Partner Hassan denken und an das erste Weihnachtsfest ohne ihre Kinder. Vertrautes mischte sich mit Überraschungen, Alltägliches wurde knapp an der Grenze zur Unappetitlichkeit zu einem witzigen Ereignis umgepolt. Immer wieder waren die Besucher überrascht von der Direktheit und vom Humor der Autorin, die selbst gern und gezielt mitlachte. Kein Wunder, dass dieser unterhaltsame Abend viel zu schnell vorbeiging, während Berling sich im Schlussapplaus sonnen konnte.

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