Nach „Windhose“: Aufräumarbeiten im Freibad laufen / Überwachungskamera zeigt Naturgewalten
Große Bäume kurz flachgelegt

Gescher. Staunend sitzt Hermann-Josef Berlemann im Freibad vor dem großen PC. Dort läuft ein Film aus der Überwachungskamera, der das Wetterphänomen am Freitagabend aufgezeichnet hat. „Um 20.12 Uhr wird es windiger, kurz danach geht es richtig los“, sagt der Schwimmmeister. In Schwarz-Weiß-Bildern ist zu sehen, wie die „Windhose“ durchs Freibad fegt.

Montag, 12.05.2014, 19:04 Uhr

Wie von Zauberhand werden die Bäume an der Westseite zu Boden gedrückt, Wasser aus dem Kinderbecken und dem Schwimmerbecken wird einige Meter in die Höhe gesogen und klatscht dann wieder nach unten, eine Sitzbank fliegt 30 Meter durch die Luft. Nach knapp zwei Minuten ist der Spuk vorbei.

Eine Windhose kann auch Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach, nach Sichtung der Schadensbilder nicht vollständig ausschließen. „Wahrscheinlicher sind hier aber sogenannte lokale Fallböen“, sagt Friedrich. Durch Kanalisierungseffekte können diese Fallwinde vereinzelt Geschwindigkeiten eines F2-Tornados erreichen. Das seien bis zu 200 km/h.

Am Montag begannen die Aufräumarbeiten im Freibad, nachdem die Feuerwehr die Gefahrenpunkte im Bereich Mühlengrund und Berkeltal schon am Einsatzabend beseitigt hatte. Die Freibaderöffnung verzögert sich nach jetzigem Stand nicht zusätzlich, da diese Woche ohnehin noch kein Badewetter abzusehen ist. „Vielleicht nächste Woche“, vertröstet Berlemann.

Wie berichtet, hat der Starkwind nur im nordöstlichen Stadtgebiet lokal begrenzt gewütet. Sichtbare Schäden entstanden am Eiscafé „Zur Burg“: Hier knickten die Sturmböen Bäume um, sodass Hausdach, Rundbögen und die Überdachung der Terrasse beschädigt wurden. „Fünf Linden mussten wir am Samstag aus Sicherheitsgründen fällen“, berichtet Eigentümer Richard Busert. Glücklicherweise sei der Neubau neben der Burg verschont geblieben.

„Katastrophal“ sah es am Freitagabend auch im Freibad aus. Hier hatte die Alarmanlage im Gebäude angeschlagen, sodass Berlemann gegen 20.30 Uhr eintraf. „Das war hier mehr Abenteuerspielplatz als Freibad“, so der Schwimmmeister. Besonders die Bäume an der Berkelseite hatte es erwischt: Einige sind entwurzelt, von anderen sind dicke Äste und Zweige abgebrochen und bis in die Becken geflogen. Ein Teil der Vorbereitungsarbeiten für die Saisoneröffnung ist damit für die Katz. „Wir haben die Wasseraufbereitung sofort abgestellt und noch am Abend eine Schadensaufnahme gemacht“, berichtet Berlemann.

Die gute Nachricht: Bei diesen Naturgewalten hätte es schlimmer kommen können. Neben den verschmutzten Becken sind Dachziegel und eine Tür am Technikgebäude beschädigt, Sitzbänke sind zertrümmert, Abdeckroste an den Überlaufrinnen und einige Röhren der Thermosolaranlage müssen ausgetauscht werden. Auch der Zaun an der Westseite muss repariert werden. Gestern begann der Bauhof damit, Baumstämme und Astwerk zu schreddern und abzutransportieren. Das Freibadpersonal kümmerte sich um die Reinigung der Becken. Berlemann schätzt, dass sich die Aufräum- und Reparaturarbeiten einige Tage hinziehen. Die technischen Anlagen seien unversehrt, so der bisherige Kenntnisstand.

Auch am Sonntag hatte die Feuerwehr einen weiteren Sturmeinsatz. In der Bauerschaft Büren in der Nähe des Holtwicker Dammes hatten die Böen am Freitag zwei Baumkronen über einem Wirtschaftsweg stark beschädigt. Während einige große Äste bereits zu Boden gestürzt waren und eine Telefonleitung durchtrennt hatten, befanden sich noch einige lose Äste in den Kronen. Diese Äste mussten von der Wehr mit dem Teleskopmast und mit Hilfe einer Arbeitsleine aus den Baumkronen entfernt werden. Die beschädigte Leitung haben die Wehrmänner der Telekom gemeldet.

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