Ulrike Hirmes besucht als Familienpatin regelmäßig die Mokdads und betreut deren jüngstes Kind
Verschenkte Zeit

Gescher. „Amadeus spricht außerirdisch. Aber wir verstehen uns. Wir haben unsere Geheimsprache.“ Ulrike Hirmes lacht vergnügt. Der zweijährige Adam Amadeus schaut sie aus großen Augen träumerisch an. Sobald Ulrike Hirmes sich ihm zuwendet, lächelt der Kleine. Für ihn und seine Familie ist die 65-jährige Familienpatin „ein Glücksfall“. Das betont Mutter Mayssaa Mokdad immer wieder: „Ich finde es toll, dass ein solches Angebot gemacht wird.“

Mittwoch, 27.04.2016, 14:34 Uhr

Ulrike Hirmes besucht als Familienpatin regelmäßig die Mokdads und betreut deren jüngstes Kind : Verschenkte Zeit
Als Familienpatin besucht Ulrike Hirmes (hinten l.) einmal wöchentlich die Familie Mokdad in Gescher. Besonders der Kleinste, Amadeus, freut sich über Zeit mit ihr. Den Kontakt vermittelt hat Ulrike Baransik (hinten r.) vom Caritasverband Borken. Foto: Helene Wentker

Auf das Familienpaten-Projekt des Caritasverbandes (CV) Borken war die junge Mutter von drei Kindern zwischen sieben und zwei Jahren durch einen Flyer aufmerksam geworden, der im Familienzentrum Maria Goretti auslag. „Sicher auch was für dich. Probier es doch mal“, wurde ihr dort Mut zugesprochen. Mayssaa Mokdad wandte sich an Ulrike Baranski, als Diplom-Sozialarbeiterin beim CV Borken für diese neue Maßnahme verantwortlich. Sie war es auch, die die junge Familie und die agile Pensionärin aus Reken zusammenbrachte. Es war ein Bauchgefühl: „Ich konnte mir gut vorstellen, dass das passt“, lächelt Ulrike Baranski. Sie sollte Recht behalten.

Zuvor hatte Ulrike Hirmes, wie zwölf weitere Paten zwischen 20 und 65 Jahren, eine Schulung absolviert. Dann war die einstige Lehrerin startklar. Sie ist selbst stolze Oma des kleinen Matz. Da Matz in der Nähe von Saarbrücken lebt, suchte Oma Ulrike eine weitere Aufgabe neben ihrem Einsatz als Tierretterin. In der Zeitung stieß sie auf das Familienpaten-Modell der Caritas. Und ist glücklich mit der neuen Aufgabe, glücklich, „wenn ich Amadeus betuddeln kann.“ Einmal in der Woche kommt sie für drei Stunden in die Familie Mokdad, entlastet so vor allem die Mutter. Die Familienpatin geht mit dem Jüngsten spazieren, spielt mit ihm, ist aber auch Ansprechpartnerin für Haidar (5) und Batoul (7). Vor allem das kleine Mädchen erzählt der Familienpatin gern über ihr neues aufregendes Leben in der Schule. Da die Kleine auch Klavierspielen lernt, „singen wir gern miteinander“, freut sich Ulrike Hirmes, die selbst in einem Chor mitmacht.

Was Mayssa Mokdad mit den drei geschenkten Stunden macht?“ „Duschen, ohne dass Amadeus auf meinen Arm will“, antwortet sie und lacht. Es sind viele Arbeiten des täglichen Lebens vom Kochen bis zum Bürokram, der durch die selbstständige Arbeit ihres Mannes bei ihr liegt, für die Mayssa Mokdad dann etwas Zeit abknapst. Denn viel Zeit braucht sie für Haidar und seine Ohrprobleme: „Dadurch ist er sprachverzögert, und ich muss mit ihm zum Logopäden, Ergotherapeuten, zu Ärzten. All das sind ja Zusatztermine.“

Familie Mokdad stammt aus dem Libanon. Ihre Vater und Mutter, damals schwanger, seien 1990 mit fünf Kindern nach Deutschland gekommen, erzählt Mutter Mayssa. Heimat ist für sie „zuallererst Frieden“.

Ehrenamtliche Unterstützung, wie Ulrike Hirmes sie ihr schenkt, empfindet sie als vorbildlich und bereichernd. „Immer wird gesagt: Was kann ein einzelner schon bewirken?“, sagt Mayssa Mokdad, um mit Blick auf die Familienpatin: zu antworten: „Viel, wenn man das hier sieht...“

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