Glockengießerei liefert einzelne Elemente für Nachbau von Berliner Denkmal / Bestimmungsort ist Seoul
„Goethes Füße sind schon weg“

Gescher. Dichterfürst Goethe hat in Gescher große Fußstapfen hinterlassen. Markus Breuer, Teamleiter Kunstguss in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, zückt den Zollstock und misst nach: „43 Zentimeter“, schmunzelt er. So groß ist die Kuhle in einer Negativ-Form, die unlängst als Vorlage für einen Bronzeguss gedient hat. „Die Füße sind schon weg“, ergänzt Geschäftsführer Andreas Hahner und freut sich, dass die örtliche Gießerei an einem ganz besonderen Auftrag mitwirken darf. Sie fertigt einzelne Elemente für eine Nachbildung des sechs Meter hohen Goethe-Denkmals von 1880 im Berliner Tiergarten, die – wie berichtet – als Bronze-Skulptur am Fuße eines Wolkenkratzers in südkoreanischen Seoul aufgestellt werden soll.

Dienstag, 16.08.2016, 14:45 Uhr

Glockengießerei liefert einzelne Elemente für Nachbau von Berliner Denkmal / Bestimmungsort ist Seoul : „Goethes Füße sind schon weg“
Zeigen die vordere Reliefplatte für das künftige Goethe-Denkmal aus Bronze (v.l.): Geschäftsführer Andreas Hahner und die Gießerei-Mitarbeiter Markus Breuer und Fabian Mehring. Foto: az

Fast überall im Gießereigebäude wird in diesen Wochen an Goethe-Teilen gewerkelt. „Das ist der größte Kunstguss-Auftrag für unsere Gießerei seit Jahren“, strahlt Breuer. Am auffälligsten ist die große Mittelsäule inklusive Bodenplatte, auf die der Goethe demnächst zu stehen kommt. 2,05 Meter hoch ist dieses Bronzeteil, an dem die stundenweise reaktivierten Rentner Günter Petrasch und Josef Evers Feinarbeiten ausführen. Das Gewicht schätzt Breuer auf 750 bis 800 Kilogramm. „Das Mittelteil setzt sich aus drei Einzelstücken zusammen, der Sockel aus fünf“, ergänzt Hahner. Hergestellt wurden diese Elemente im Sandgussverfahren. Dabei lieferte die Skulpturengießerei Knaak in Berlin-Oberschöneweide, die das Gesamtprojekt für den koreanischen Konzern Lotte umsetzt, die Gipsform. In mehreren Arbeitsschritten wurde daraus die Sandform, die schließlich mit flüssiger Bronze gefüllt wird.

Wenige Meter weiter arbeitet Gießerei-Mitarbeiter Fabian Mehring an einem Relief mit der Aufschrift „Goethe“ und dem Errichtungsjahr. Drei dieser knapp einen Meter hohen Platten, die mit dem Säulenblock verschraubt werden, hat die hiesige Gießerei gegossen. Noch im Ofen befindet sich die Schulterpartie der eigentlichen Goethe-Figur: „Die muss acht Tage und drei Stunden bei Temperaturen von bis zu 640 Grad drinbleiben“, erläutert Breuer. Goethes Kopf wird dagegen bei Knaak in Berlin gegossen.

Wie berichtet, entsteht in Berlin und Gescher das erste Goethe-Denkmal Asiens. Es soll demnächst das Grün vor dem Lotte World Tower zieren, mit 555 Metern eines der höchsten Gebäude der Welt. Firmengründer ShinKyuk-Ho war ein großer Goethe-Fan und hat seinen 1948 gegründeten Konzern nach der Frauenfigur „Lotte“ aus dem Werther-Roman benannt. An diese Wertschätzung möchte die neue Generation der Shin-Familie mit der beauftragten Skulptur anknüpfen. Der Zeitdruck ist groß, denn Ende Oktober sollen alle Einzelteile von Berlin nach Seoul geflogen und im November vor Ort geschweißt, montiert und aufgestellt werden.

Neben der eigentlichen Goethe-Figur besteht das marmorne Original-Denkmal aus allegorischen Figurengruppen auf dem abgestuften Unterbau. Davon werden zwei bis drei Einzelfiguren ebenfalls in Gescher gegossen. „Das wird ein Junge“, deutet Breuer auf eine Negativform aus Silikonkautschuk, die als Vorlage für ein Wachsmodell genutzt wird. In drei bis vier Wochen soll der Bronzeguss erfolgen. Auch eine Frauenfigur werden die Gießerei-Mitarbeiter auf diese Weise erschaffen. „Die ist 1,80 Meter hoch – sitzend“, verdeutlicht Markus Breuer die Dimensionen.

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