Josef Bieber bittet um Leezen-Spenden für Flüchtlinge / Drahtesel werden zuvor repariert und aufgehübscht
Ausgediente Räder: „Wir brauchen Nachschub“

Gescher. „Wir brauchen Nachschub“, sagt Josef Bieber und lächelt. „Nachschub“: Das sind ausgediente Fahrräder, die der rührige Senior gemeinsam mit einem verlässlichen Helferteam repariert, auf Vordermann bringt und dann für kleines Geld Flüchtlingen anbietet. Zwanzig Euro kostet eine Leeze für Erwachsene; für ein Kinderrad sind fünf Euro zu zahlen.

Donnerstag, 26.01.2017, 22:34 Uhr

Josef Bieber bittet um Leezen-Spenden für Flüchtlinge / Drahtesel werden zuvor repariert und aufgehübscht : Ausgediente Räder: „Wir brauchen Nachsc...
Josef Bieber (2.v.l.), hier mit (v l.) Ali Heydar, Razu-Ali Shorsh und Hasan Hosseini, bittet Gescheraner, ausgediente Fahrräder zu spenden. In der Fahrradwerkstatt an der Riete werden diese von Ehrenamtlichen ertüchtigt, sodass Flüchtlinge eine Leeze für kleines Geld kaufen können. Foto: Helene Wentker

Das Team um Josef Bieber hat es sich zur ehrgeizigen und ehrenamtlichen Aufgabe gemacht, Flüchtlingen auf den Fahrradsattel zu verhelfen – und gern nehmen viele das Angebot wahr, das ihnen eine größere Mobilität ermöglicht.

Neben vier Gescheranern gehörten auch vier Flüchtlinge zum permanenten Werkstattteam, betont Bieber. Im August 2014 ist diese Werkstatt an den Start gegangen; anfangs in einem kleinen Winkel im Schuppen am Museumshof. Wenige Monate später fand man in einer ehemaligen Klempnerwerkstatt an der Riete 24 eine neue Bleibe – und schaffte damit Bedingungen, die Bieber als „ideal“ lobt.

Bis heute hat die Fahrradwerkstatt 282 Damen-, Herren- oder Kinderräder vermittelt, aber laut Biebers Bilanz auch 113 verschrottet. In Summe habe das Team 210 Reparaturen durchgeführt mit anteiliger Kostenbeteiligung für Ersatzteile. Kleinere Reparaturen und technische Hilfen dagegen würden „für ein Dankeschön“ erledigt, sagt Bieber.

Dass Schatten fällt, wo Licht ist, gilt auch für diese Aktion. Denn dass Fahrräder gestohlen oder demoliert werden, oder auch schon mal den Besitzer über die Grenzen Geschers hinaus wechseln, verschweigt der Gescheraner nicht. Trotzdem sei das Projekt sehr erfolgreich und verhelfe den Flüchtlingen zu größerer Mobilität, freut er sich.

Auf eine „Bezugsquelle“ für ausgediente Fahrräder hofft Bieber: „Es wäre großartig, wenn die Stadtverwaltung uns aus ihrem ,Funduskeller’, in dem gefundene Drahtesel parken, deren Besitzer sich nicht melden, einige Räder zur Verfügung stellen könnte“, meint er.

Zu diesem Wunsch erklärt Bürgermeister Thomas Kerkhoff auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir haben großes Verständnis für den Bedarf und begrüßen das Engagement von Herrn Bieber im Bunten Haus. Die Mobilität hier im Ort ist für viele Flüchtlinge wichtig. Bei der Freigabe von Rädern aus dem Fundus der Fundsachen müssen wir jedoch zunächst die Eigentums- und ordnungsrechtlichen Regeln der Aufbewahrung beachten. Bei allen Rädern, die wir verwerten, erzielen wir auch Erlöse, die die Stadt gut gebrauchen kann. Bei Rädern, die leichte Schäden haben oder nicht verkauft werden können, kommt eine Abgabe an das Bunte Haus in Betracht. Hier müsste ein Verfahren mit dem Rathaus besprochen werden.“

Mit der Bitte, gebrauchte Räder zu spenden, wendet sich Bieber besonders an die Gescheraner Bevölkerung. Abgeben könne man solche Drahtesel dienstags und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr an der Riete 24.

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