Gescher
„Ich komme, um zu bleiben“

Gescher. Jeden Stein wendet er zurzeit, um zu schauen, was er darunter vorfindet. „Und ich habe die Chance dazu, weil ich, anders als meine Vorgänger, an fünf Tagen die Woche im Unternehmen bin“, sagt Dirk Hüttemann. Dabei treibt den neuen Geschäftsführer der Glockengießerei eine wesentliche Frage um: „Was kann man anders machen?“ Diese Frage stellt er auch den Mitarbeitern des Traditionsunternehmens – um den Antworten gemeinsam mit ihnen auf die Spur zu kommen. Denn eins hat der gebürtige Borkener in seinen 38 Lebensjahren erfahren: „Unternehmen brauchen jemanden, der gestaltet. Verwalten kann jeder.“

Sonntag, 21.10.2018, 10:54 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.10.2018, 16:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 21.10.2018, 10:54 Uhr
Gescher: „Ich komme, um zu bleiben“
Dirk Hüttemann aus Borken leitet als neuer Geschäftsführer die Glockengießerei Gescher – inzwischen seit mehr hundert Tagen. Foto:wr Foto: az

Dirk Hüttemann, verheiratet und Vater von zwei Kindern, hat seine berufliche Laufbahn mit einer Schreinerlehre begonnen. Später wechselte er in die Industrie, erwarb den Industriemeistertitel und arbeitete bis zum 31. 6. diesen Jahres bei der Firma Vesuvius in Borken. Parallel studierte er in dieser Zeit Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft.

Als Otto-Normal-Münsterländer beschreibt er sich in seinen Freizeitstunden: Im Fußballverein groß geworden, sind Stammtisch, Doppelkopf und Schützenverein seine weiteren Leidenschaften.

Inzwischen steht er seit über hundert Tagen bei der Glockengießerei Gescher in Verantwortung. Um in „dieses Unternehmen mit seinem besonderen Kundensegment herein zu wachsen“ müsse und wolle er selbst lernen und dann schauen, „wo man den Hebel ansetzen kann“, sagt er. Der Belegschaft, die er vorfindet, zollt Hüttemann dabei größten Respekt. Offen und freundlich seien die 26 Mitarbeiter „sowieso“. Doch vor allem fasziniert den neuen Geschäftsführer, „mit welcher Leidenschaft für Produkt und Unternehmen sie – ebenso wie die Gesellschafter – dabei sind.“ Für Hüttemann ist das ein Pfund, mit dem man in Zeiten des Fachkräftemangels wuchern kann. Denn man werde den Personalstamm weiter aufbauen und verjüngen, sagt er. So werde man in 2019 noch einen weiteren Mitarbeiter einstellen. Denn die Auftragsbücher seien nicht nur für 2018 ausgelastet. Auch für das nächste Jahr füllten sie sich bereits mit größeren Projekten, freut sich Hüttemann.

Er weiß: „Glockenguss ist heute weniger gefragt als in der Vergangenheit, aber er ist nicht verschwunden.“ Im Gegenteil. Es gehe um Marktanteile. Wer sich perspektivisch aufstelle, der gewinne, betont der junge Borkener. Ein wichtiges Ziel sieht er darin, „dass Geschers Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock die Aufträge bekommt, die in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Gebieten zu vergeben sind.“ Ein Heimspiel nennt er das. Natürlich werde man auch Kunstguss und Shop-handeltourismus unter die Lupe nehmen und Möglichkeiten eines Online-Shops prüfen. Aber das Kerngeschäft sieht Hüttemann bei den Kirchen. Sie seien die Hauptkunden. Denn selbst wenn Kirchen stillgelegt würden, stehe meist nicht das ganze Gebäude still. Hüttemann: „Die Glocken wollen genutzt werden, wenn auch für punktuelle Momente wie Trauungen, Taufen, besondere Feiern“.

Der Geschäftsführer, dem die neue Aufgabe und Herausforderung große Freude macht, hat sich festgelegt: „Ich komme, um zu bleiben“. Um zu ergänzen: „Erstmal bis zum 350-jährigen Jubiläum der Glockengießerei Gescher; und das ist im Jahr 2040...“

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