Gescher
Asylbewerbern „Spurwechsel“ ermöglichen

Gescher. Mit Ursula Schulte aus Vreden, Mitglied der SPD-Fraktion des Bundestages, hatte das Bunte Haus wieder eine prominente Besucherin aus der Bundespolitik. Ihr Besuch reiht sich ein in Gespräche mit Johannes Röring, MdB, und Armin Laschet, der bereits zweimal da war. Neben Mitgliedern der Steuergruppe der Flüchtlingshilfe, Gudrun Weber vom Caritas-Verband Borken und Klaus Schonnebeck (SPD) waren auch Pfarrer Wenning als Vertreter des Trägers und Bürgermeister Kerkhoff gekommen, um Frau Schulte über die Situation in Gescher zu informieren und von ihr über die weiteren Schritte der Bundespolitik in Migrationsfragen zu hören.

Mittwoch, 05.12.2018, 18:46 Uhr aktualisiert: 05.12.2018, 22:08 Uhr
Gescher: Asylbewerbern „Spurwechsel“ ermöglichen
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte (3.v.l.) besuchte am Dienstag das Bunte Haus und tauschte sich hier mit den Vertretern der örtlichen Flüchtlingshilfe über die Situation in Gescher aus. Foto: Jürgen Schroer

Die Vertreter der Flüchtlingshilfe nutzten die Gelegenheit, der Politikerin nicht nur Organisation, Struktur und das Bunte Haus der Flüchtlingshilfe vorzustellen, sondern ihr auch einige Wünsche mit auf den Weg nach Berlin zu geben. Nach einer kurzen Darstellung der Situation in Gescher aus kommunalpolitischer Sicht durch Kerkhoff stellte Dr. Hermann Vortmann die Struktur der örtlichen Flüchtlingshilfe vor. Er konnte auf über 50 Ehrenamtliche verweisen, die alle ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Verpflichtung zur Verschwiegenheit vorgelegt haben. Ihre Arbeit in Bereichen wie Deutschkurse, Fahrradwerkstatt, Fahrdienst, Mitarbeiterbetreuung, Haus- und Familienpaten, Sport, Beschäftigung, Schule und mehr organisieren sie selbstständig und koordinieren sie durch ihre Sprecher in der Steuergruppe. Das Sprecherteam, zurzeit Carola Gravermann und Norbert Lanfer, versteht sich als Ansprechpartner nach innen und außen.

Schulte zeigte sich von der Organisation angetan, in der es für einzelne Arbeitsfelder „Spezialisten“ gibt, bei denen Informationen zu Themen wie Arbeit, Schule, Sport oder Sprache zusammengeführt und abgerufen werden können. Carola Gravermann, zuständig für die Begegnungsstätte „Buntes Haus“, und Mitglieder der Teams, die regelmäßig hier Dienst tun, berichteten über die vielfältigen Möglichkeiten der zwanglosen Begegnung in den Räumen. Georg Geiser schilderte bisherige Anstrengungen und Ergebnissen bei der Suche nach Arbeit. Mittlerweile hätten etwa 150 Flüchtlinge eine Beschäftigung gefunden.

Norbert Furth appellierte an Schulte, das Einwanderungsgesetz möglichst bald zu verabschieden. Auch das in der Politik kontrovers diskutierte Thema „Spurwechsel“ kam zur Sprache; dieser soll auch Asylbewerbern ermöglichen, bei entsprechenden Fähigkeiten und Integrationsleistungen die Möglichkeiten des Einwanderungsgesetzes zu nutzen.

Die Frage nicht vorhandener Dokumente wie zum Beispiel Geburtsurkunden und Schulabschlüsse und die daraus entstehenden Folgen für Eheschließungen, Beschäftigungsverhältnisse und mehr war ein weiteres Thema. Die Beschaffung von Ersatzpapieren ist nach Schilderung der Helfer für Betroffene oftmals ein großes Problem. Ohne diese Dokumente haben sie oftmals Nachteile, zum Beispiel eine Besteuerung als Ledige, obwohl sie in ihrem Herkunftsland geheiratet haben. Schulte versprach, in dieser Frage Kontakt zum Auswärtigen Amt aufzunehmen.

Für ebenso wichtig hielt sie den Hinweis auf eine sinnvolle „Ausbildung“ von Flüchtlingen in Beschäftigungsverhältnissen zu „Helfern“, da viele zunächst aufgrund verschiedener Faktoren in den Betrieben für einfache Tätigkeiten herangezogen werden. Auch hierfür sei, so die einhellige Meinung, eine adressatenbezogene Schulung sinnvoll.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6237946?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker