Gescher
Komplettneubau ist vom Tisch

Gescher. Ein Komplettneubau der Pankratiusschule ist vom Tisch. Diese Variante, von UWG und FDP befürwortet, wurde in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Infrastruktur und Generationen klar abgelehnt. Mit großer Mehrheit beschlossen wurden dagegen die Sanierung des Altbaus und ein Teilneubau auf dem kleinen Schulhof mit Abriss des jetzigen OGS-Gebäudes an der Armlandstraße. Neben CDU und Grünen stimmte auch die SPD dem abgewandelten Beschlussvorschlag zu und setzte durch, dass die Dialogphase und Beteiligung der Schule bis Ende Juni 2019 verlängert wird. Die Gesamtkosten bleiben bei sechs Millionen Euro gedeckelt. Bürgermeister Thomas Kerkhoff will bis zum Rat am 19. Dezember, der endgültig entscheidet, einen Verlaufsplan für die weitere Beteiligung vorlegen. Ob angesichts des Vorlaufes ein Baubeginn noch im Jahr 2019 möglich sein werde, sei offen.

Donnerstag, 06.12.2018, 17:42 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 10:40 Uhr
Gescher: Komplettneubau ist vom Tisch
Nach den Plänen des Büros Kersting + Gallhoff soll an der Pankratiusschule ein großer Neubautrakt entstehen, für den das heutige OGS-Gebäude abgerissen werden muss. Die Darstellung zeigt die rückwärtige Ansicht mit dem kleinen Schulhof im Vordergrund. Quelle: Kersting + Gallhoff Architekten Foto: az

Drei Stunden intensiver, teils emotionaler Diskussion inklusive Sitzungsunterbrechung brauchte es am Mittwochabend, bis die Mehrheitsentscheidung zugunsten des Konzeptes Kersting + Gallhoff stand. Kerkhoff ging auf die Forderungen der Elternpflegschaft ein, die unter anderem einen Anbau auf dem großen Schulhof favorisiert. Mittlerweile gebe es ein Bodengutachten, wonach der Untergrund auf dem kleinen Schulhof für eine Bebauung deutlich tragfähiger sei als auf der anderen Seite, so Kerkhoff. Auch aus technischen und städtebaulichen Gründen sei der vom Büro Kersting + Gallhoff überplante Standort zu empfehlen. Anhand von Plänen vermittelte Architekt Bernhard Kersting, wie die Schule nach Sanierung und Erweiterung aussieht. Der Anbau soll niveau- und etagengleich am Souterrain und an den Obergeschossen erfolgen. Ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit. Die OGS-Räume werden im Altbau der Schule untergebracht. Hier vergrößert sich die Fläche inklusive Werkraum von heute 187 auf fast 350 Quadratmeter.

Aus den Fachausschüssen kamen etliche Fragen zu Details und viel Kritik. Schulleiterin Birgit Knauer bemängelte, dass auch im Anbau wieder eine „Flurschule“ realisiert werde. Das sei kein zukunftsweisendes pädagogisches Konzept, sondern eine „Sackgasse“. Außerdem kritisierte sie die mangelnde Beteiligung der Schule am Planungsprozess, bislang habe man lediglich „eine Stunde“ zusammengesessen. Ihre Kritik gehe Richtung Schulträger, nicht Richtung Architekt, stellte sie klar.

Ein flammendes Plädoyer für einen Schulneubau hielt Hildegard Kowollik (UWG). Es gehe darum, eine Schule für die nächsten 40, 50 Jahre zu schaffen. Wenn hier sechs Millionen Euro in eine „Schrottschule“ gesteckt würden, sei dieses Geld in den Sand gesetzt. Geeignete Flächen für einen Neubau seien in der Nähe vorhanden. Anne Hauling (FDP) forderte ebenfalls einen Neubau, der die Zukunftsthemen Inklusion und Digitalisierung abdecke.

Es sei leicht, mit Maximalforderungen zu kommen, hielt CDU-Sprecher Egbert Kock dagegen. Die CDU wolle das historische Schulgebäude erhalten und gleichzeitig eine funktionale Lösung mit „Kostenbewusstsein“ haben. Kerkhoff verwies darauf, dass jede zusätzliche Ausgabe die Verschuldung der Stadt erhöhe. In dieses Horn stieß auch Günter Effkemann (Grüne), der vor „Wunschschlössern“ warnte. Die SPD-Vertreter Ansgar Heming und Prof. Dr. Martin Klein forderten „mehr Zeit“ und eine bessere Beteiligung der Schulleitung. „Sorgfalt vor Ehrgeiz“, meinte Klein. Dem wurde im Beschluss mit der von Ende März bis Ende Juni verlängerten „Dialogphase“ Rechnung getragen.

Bernd Witte (CDU) schlug Pflöcke für das aktuelle Konzept ein. Es sei überzeugend, zukunftsorientiert und führe zu größeren Klassenräumen. Gleichzeitig würden die heute nicht funktionalen OGS-Räume ersetzt. Außerdem orientiere sich diese Lösung an Haushaltsaspekten.

Am Ende stimmten nur UWG und FDP dafür, die aktuelle Planung zu verwerfen und ein Verfahren für einen Schulneubau einzuleiten. Der abgewandelte Grundsatzbeschluss für das Konzept Kersting + Gallhoff wurde mit 24 Ja-Stimmen (CDU, Grüne, SPD) gefasst. Eine „Hintertür“ wurde eingebaut: Der Anbau-Standort steht unter dem Vorbehalt, dass sich keine tragenden Gründe gegen einen Trakt an dieser Seite ergeben.

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