Gescher
„Potential für Verbesserung“

Gescher. „Glückselig´s nie Joar!“, rief Bürgermeister Thomas Kerkhoff, münsterländisch verknappt, Vertretern der Politik, des Ehrenamtes und des öffentlichen Lebens zu. Zum zweiten Mal hatte die Stadt Gescher am Donnerstagabend zu einem Neujahrsempfang im Foyer des Theater- und Konzertsaales eingeladen und damit schon fast eine Tradition begründet. Denn aller guten Dinge seien in Westfalen drei. Und so stehe nur noch ein Empfang aus, bevor dieser neue Brauch verinnerlicht sei.

Donnerstag, 03.01.2019, 19:40 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 10:32 Uhr
Gescher: „Potential für Verbesserung“
Bürgermeister Thomas Kerkhoff (2.v.l.) und Beigeordnete Kerstin Uphues (2.v.r.) freuten sich, mit Hermann Horstick (l.) und Hubert Effkemann (3.v.r.) zwei Vorgänger im Amte begrüßen zu können. Gekommen waren auch Karola Voß (ganz r.), Bürgermeisterin aus Ahaus, und Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster. Foto: az

Ein Glanzlicht im neuen Jahr kündigte der Bürgermeister schon mal an: Die Glockenstadt wird im Sommer 50 Jahre alt. Zum 1. 7. 1969 hatte sie Stadtrechte erhalten. Gefeiert wird das 2019 vom 23. bis 25. August. Soviel ist schon mal sicher.

Nur zu gerne erinnerte Kerkhoff an den Besuch von NRW-Ministerin Ina Scharrenbach zum allerersten Neujahrsempfang in 2018. Denn diese Sternstunde damals hat für Gescher reiche Früchte getragen. Mit besonderer Unterstützung der Ministerin hatte die Glockenstadt eine Landesförderung über 2,6 Mio Euro für die Renovierung des Theater- und Konzertsaales erhalten. Den Förderbescheid habe er in der Woche vor Weihnachten erhalten, so Kerkhoff

2018 könne für Gescher als erfolgreiches Jahr gelten mit dem Verlassen der Haushaltssicherung, Erstellung eines Integrierten-städtischen Entwicklungskonzeptes oder dem Voranschreiten einiger Infrastrukturprojekte. Doch einige Projekte seien auch „weniger so gelaufen“ wie er oder der Rat sich dies vorgestellt hätten. Kerkhoff nannte hier den Planungsprozess der Pankratius-Schule oder die Schadstoffbelastung an der Von-Galen-Schule und folgerte: „Aber es gibt immer Potential, seine Themen und Handlungen zu verbessern und sich zu steigern. Dies ist mein Anspruch“.

Kritische Schlaglichter warf der Bürgermeister sodann auf Zustand und Haltung seines Heimatlandes: Reisen in die Niederlande und nach England über Weihnachten und Neujahr hätten ihn nachdenklich gemacht. Deutsche Defizite erkannte Kerkhoff im Vergleich zu anderen Ländern beim Thema Verkehrswesen und Infrastruktur ebenso wie bei der Digitalisierung oder in der Debattenkultur. Und Beispiele hatte er auch mitgebracht.

Die deutsche Autobahn etwa sei längst nicht mehr besser als die in den Niederlanden. Es sei „genau andersherum.“ Zum Thema Telefonverbindung habe ihm ein Freund bestätigt, dass er in entlegenen Gebieten der Anden in Südamerika ein stabiles Netz gehabt habe: „Aber im Regionalexpress zwischen Hamm und Münster ist die Verbindung alle zwei Minuten abgerissen“, fuhr Kerkhoff vor. Bei der Digitalisierung könnten auch örtliche Firmen wie d.velop in Gescher und Tobit in Ahaus nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Digitalisierung außerhalb Deutschlands schneller läuft und uns viele Länder völlig überholt haben.“

Last but not least wünschte sich Kerkhoff regional wie deutschlandweit, „dass wir in vielen Dingen wieder die Debatte führen, auch streiten und dann zu Lösungen kommen“. Für Gescher ebenso wie für Deutschland sehe er 2019 „wesentlich mehr Chancen als Risiken.“

Auf Sektchen und Austausch folgte ab 19 Uhr nicht nur für die Geladenen das Neujahrskonzert der musik.landschaft Westfalen. (Bericht dazu folgt)

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6296475?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker