Gescher
Wenn Wiener-Walzertöne wogen

Gescher. Der Besucherstrom bewies die Beliebtheit der Neujahrskonzerte der M:LW Festival Philharmonie im Theater- und Konzertsaal in Gescher: Dirk Klapsing als Kurator und Initiator der Konzertreihe der musik:landschaft westfalen freute sich auch am Donnerstagabend über knapp 380 Besucher, darunter Bürgermeister Thomas Kerkhoff. Dabei trafen die Zuhörer auf bekannte Gesichter, denn das Orchester unter der Leitung von Martin Panteleev und der Solist József Lendvay (Violine) hatten die Gescheraner schon beim letzten Neujahrskonzert 2018 in den Bann gezogen.

Freitag, 04.01.2019, 20:08 Uhr aktualisiert: 05.01.2019, 11:12 Uhr
Gescher: Wenn Wiener-Walzertöne wogen
Begeisterte Zuhörer tauten im Laufe des beeindruckenden Konzertes immer mehr auf und gaben am Ende standing ovations. Foto: az

Kerkhoff musste sich bei der Begrüßung durch Klapsing die Bemerkung gefallen lassen, dass der Saal optisch und akustisch dringend sanierungsbedürftig sei. Im Pausengespräch bestätigte der Bürgermeister nochmals, dass die Sanierung dank Förderzusage des Landes bald in Angriff genommen werden kann.

Klapsing nutzte die Gelegenheit, die Musiker in ihrer Landessprache mit einem Neujahrsgruß zu Wort kommen zu lassen. „Musiker aus 23 Nationen sind in diesem Orchester, darunter auch vier deutsche“.

Der musikalische Schwerpunkt dieses Konzerts lag auf Melodien von Johann Strauss (Sohn). Beeindruckend war bereits die Interpretation der Ouvertüre der Operette „Der Zigeunerbaron“, 1885 uraufgeführt. Der Wiener Charme der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste die Besucher allmählich. Die ersten Bravo-Rufe in den Applaus hinein erklangen erst nach einiger Zeit.

Das „Rondo Cappricioso op. 28“ von Camille Saint-Saëns bescherte den Besuchern den ersten von insgesamt fünf Auftritten des Ungarn József Lendvay. „Er stammt aus einer traditionsreichen Musikerfamilie. Er bespielt mit seiner Stradivari-Violine die großen Bühnen dieser Welt“, kündigte Klapsing diesen Ausnahme-Geiger an. 1863 hatte der Komponist dem damals sehr bekannten Geiger Pablo de Sarasate den Solopart auf den Leib geschrieben. Lendvay ging einfühlsam damit um, unterstützt vom Orchester mit Blockakkordfolgen. Erst in der zweiten Hälfte entstand eine fließende Einheit zwischen dem Orchester und dem Solisten.

„Wiener Blut“, „Vergnügungs-Polka“, „Russischer Marsch“ und der „Kaiserwalzer“, allesamt Kompositionen von Johann Strauss (Sohn), versetzten das Publikum in Wiener-Walzer-Schwingungen, und die Begeisterung stieg mit jedem Applaus hörbar.

Die „Pizzicato Polka“ op. 449, ebenfalls vom jüngeren Strauss, lag dem Orchester im Blut. Nur die Streicher waren involviert, die durch Zupfen, dem sogenannten Pizzicato, ihre Instrumente zum Klingen brachten.

Das rasante Tempo des Orchesters im „Trepak“ aus der „Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski entlockte dem Publikum pure Begeisterung.

Humorvoll ließ Panteleev das Strauss-Werk „Perpetuum mobile op. 257“ mit Lendvay als Solisten ausklingen, während der Höhepunkt des Auftritts des Orchesters mit Lendvay ganz zum Schluss folgte. Der legendäre Geigenvirtuose Niccolò Paganini komponierte das „Moto perpetuo op.11“, das lange Jahre als unspielbar galt. Lendvay bewies das Gegenteil, riss das Orchester mit seinem schnellen Spieltempo mit – und auch das Publikum, das minutenlang im Stehen klatschte. Der berühmte Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater) belohnte d die Zuhörer am Ende als Zugabe.

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