Gescher
„Das Haus hat uns ausgesucht...“

Gescher. „Ich glaube, das Haus hat uns ausgesucht und gewollt“, sagt Christa Rottbeck und lacht. Die Architektin hat vor 15 Jahren das alte Bürgerhaus, bekannt als Haus Eckrodt, an der Hauptstraße 17 gekauft. Seither saniert sie es gemeinsam mit ihrer Familie mit großer Leidenschaft und Liebe zum Detail. Denn Haus Eckrodt ist etwas Besonderes: Von 1867 bis 69 errichtet und damit jetzt genau 150 Jahre alt, steht es unter Denkmalschutz, und das aus gutem Grund. Allein der Eingangsbereich mit seiner reichgeschnitzten Tür, die wie ein gegossenes Gitter wirkt, gilt als außergewöhnlich.

Freitag, 11.01.2019, 17:34 Uhr aktualisiert: 13.01.2019, 09:14 Uhr
Gescher: „Das Haus hat uns ausgesucht...“
Die alte, denkmalgeschützte Villa Eckrodt von der Gartenseite aus. „Wir haben uns in dieses Haus sofort verliebt“, schwärmt seine jetzige Besitzerin Christa Rottbeck über ein Kleinod, das jetzt 150 Jahre alt wird. Foto: az

Auf den Spuren ihres Hauses ist Christa Rottbeck auf eine Familienchronik gestoßen, die Anna Eckrodt (1855 – 1933) in den 20er Jahren erstellte. Als erste fassbare Bewohner der Hausstelle gilt danach eine Familie Thomas, die zwischen 1535 und 68 nach Gescher kam. Tochter Catharina heiratete 1642 den Nachbarssohn Arnold Dapper. Er stammte aus dem Haus Hauptstraße 12 – in Gescher bekannt als „Dapper anne Pumpe“.

Nach einem Generationensprung erscheint auf der lokalgeschichtlichen Bühne am 22. Juli 1789 Hermann Eckrodt. An diesem Tag erwirbt er auf einer Auktion das Haus für tausend Reichstaler aus dem Erbe einer Familie Hülswitt, deren Wurzeln in Lüdinghausen lagen. Eckrodt handelte mit Leinen, das er u. a. über Winterswijk nach Amsterdam verkaufte. 1796 heiratete er Anna Christina Möllmann aus der Freiheit Velen, die neben der Erziehung ihrer sechs Kinder einen Manufaktur- und Kolonialwarenladen betrieb.

Nach dem Tod der Eltern übernahm Sohn Jodokus Anton Eckrodt das Haus. 1855 starb er an einem Schlaganfall infolge einer Flecktyphusepidemie, die in Gescher wütete und die die ganze Familie Eckrodt erfasst hatte. Nur vier Wochen später wurde die jüngste Tochter Anna geboren, die spätere Familien-Chronistin. Mutter Elisabeth bereitete damals den einzig überlebenden Sohn Hermann Eckrodt, in Gescher nur „Mans“ genannt, auf seine Zukunft als Textilkaufmann vor.

1869 begann dieser im Verlagssystem mit der Produktion von Leinen und legte dadurch endgültig die Grundlage zur Entstehung der späteren Textilfabrik. Fast zeitgleich vollendete Meister Kauling aus Coesfeld den Bau des neuen Wohnhauses, so wie er sich heute zeigt. Auf Hermann Eckrodt folgten Sohn Georg und dessen Frau Maria Brüning, die nach dem frühen Tod ihres Mannes mit fünf Kindern allein stand und Mitverantwortung in der Firma trug. 1946 zogen Sohn Hermann und Ehefrau Anita in fünfter Generation in das Stammhaus ein. Nach dem Tod von Anita Eckrodt verkauften die Erben das Traditionshaus 2002 an Architektin Christa Rottbeck und ihren Mann Reinhard Topmöller.

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