Gescher
Das Leben tanzen

Gescher. War das eine Enttäuschung. Als der Tag kam, auf den sie sich so lange gefreut hatten, fanden sich Aron und Noah Lesche in ihren Betten wieder. Der Influenza-A-Virus hatte die beiden Jungen erwischt. Kein Gedanke an den Filmdreh in Ibbenbüren, bei dem sie mitwirken wollten.

Freitag, 08.03.2019, 17:41 Uhr aktualisiert: 10.03.2019, 10:28 Uhr
Gescher: Das Leben tanzen
Foto: Fotostudio Gewers

„Besonders Aron war todtraurig. Es hätte eine tolle Chance für ihn bedeutet vor laufenden Kameras mitzutanzen. Das wäre Arons Welt. Er liebt Gesang und Tanz“, sagt seine Mutter Monique Lesche. Dabei hatte sich die Familie so auf dieses Ereignis gefreut: Ein Inklusionsvideo, produziert als Song „Du bist so“, untermalt von tanzenden Kindern mit und ohne Behinderung, ist kürzlich in Ibbenbüren gedreht worden. Mit von der Partie waren achtzig Familien deutschlandweit. Auch die Lesches aus Gescher hatten sich dafür angemeldet.

Dieses Video wurde für den Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März produziert und wird ab dem 14. März im Internet veröffentlicht, wie Monique Lesche berichtet. Auch sie hatte von der Aktion erfahren – über den Austausch in Social Media-Gruppen. Sofort stand für die Familie fest, dass sie dabei sein wollte – bis ihr die Grippewelle dazwischen kam.

Doch das ist nur ein kleiner Rückschlag für die Lesches in ihrer Überzeugung, dass Inklusion ein Thema ist, über das sie offen sprechen und informieren, sich austauschen und gegenseitig unterstützen wollen. Diese Haltung, sagt Monique Lesche, hatte sie „von Anfang an“. Und das bedeutet: Schon als sie in ihrer ersten Schwangerschaft erfuhr, dass ihr Kind mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen würde.

Heute ist Aron sieben Jahre alt, ein fröhliches Kind wie auch sein jüngerer Bruder Noah (5). Dass sich die beiden auf Veranstaltungen für behinderte und nichtbehinderte Kinder tummeln, ist für sie ebenso selbstverständlich wie für ihre Eltern.

Früh hat Monique Lesche in Internet-Gruppen ihre Kontakte gestrickt, denn: „Jede Entwicklungsphase stellt einen vor neue Herausforderungen, verlangt Antworten auf neue Fragen“, weiß sie. Das gelte für jede Erziehung, doch für Kinder mit einer Behinderung oft noch intensiver.

Über ihre Kontakte hat Monique Lesche beispielsweise von der Möglichkeit erfahren, Poster mit Fotos von den eigenen Kindern zu erstellen, diese drucken zu lassen mit Leitspruch wie „Ich bring Farbe in dein Leben“, mit Infos sowie mit (Internet)Adressen, die zum Thema „Down Syndrom“ Auskunft geben und weiterhelfen.

Solche Poster verteile sie sowohl im Bekanntenkreis als auch bei Ärzten, Therapeuten, in Krankenhäusern, auch in den Banken, sagt Monique Lesche.

2017 ist die Familie nach Gescher gezogen, ins eigene Haus An den Bachgärten. Seither beschreibt Monique Lesche ihr Leben als „viel entspannter“. Denn in Oeding, wo sie zuvor wohnten, hätten sie die vielen Fahrdienste zum Logopäden, zu Ärzten und zur Ergotherapie sehr beansprucht.

Inzwischen hat sie all das vor der Haustür; Aron besucht die Förderschule von Haus Hall. Zu ihrer Schwester und deren Kindern in Gescher genieße sie die guten und engen Kontakte. Ihr Mann arbeite in Holtwick, habe also auch kürzere Wege als zuvor. Kurzum: „Wir sind angekommen und überglücklich“, sagt sie. Und freut sich auf neue Aktionen zum Herzensthema der Familie, der Inklusion.

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