Gescher
Klimarettung fängt in Gescher an

Gescher. Die Klima-„Wende“ ist das große Ziel. Im Rathaus standen am Dienstagabend Klima-„Wände“, um Ideen festzuhalten, wie das kleine Gescher seinen Beitrag leisten kann. Knapp 70 Teilnehmer kamen zur Auftaktveranstaltung für das Integrierte Klimaschutzkonzept (IKSK), das die Stadt Gescher mit Unterstützung des Büros „energielenker Beratungs GmbH“ erarbeiten lässt. Deren Geschäftsführer Reiner Tippkötter freute sich über die zahlreichen Anregungen und versprach, die Bürger im weiteren Prozess mitzunehmen. Bis zur Sommerpause soll das fertige Konzept auf dem Tisch liegen, sodass im zweiten Halbjahr die Umsetzung von konkreten Maßnahmen – möglichst unter Einbindung von Fördermitteln – starten kann. „Wir können für Gescher einiges erreichen“, versicherte Tippkötter.

Mittwoch, 20.03.2019, 16:49 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 18:02 Uhr
Gescher: Klimarettung fängt in Gescher an
Verwaltungsmitarbeiter Marius Tegeler – hier im Gespräch mit Gesamtschülern – sammelte Ideen zum Thema „klimafreundliche Mobilität“. Foto: az

„Klimaschutz ist das Megathema unserer Zeit“, leitete Bürgermeister Thomas Kerkhoff das Treffen ein. Hintergründe für alle Überlegungen lieferte das Fachbüro mit der Analyse von Energie- und Treibhausgasbilanzen für Gescher. Laut Tippkötter entfielen 47 Prozent des gesamten Energieverbrauches in Gescher auf den Autoverkehr. „Wege vermeiden“, sei da ein wichtiger Ansatz. Die Betriebe verbrauchten 27 Prozent der Energie, die privaten Haushalte etwa 25 Prozent. Auf die Stadt Gescher mit allen öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen entfalle nur ein Prozent des Gesamtverbrauches. „Die Verwaltung alleine kann da wenig erreichen, alle müssen mitmachen“, so Tippkötter.

170 000 Tonnen Kohlendioxid produzieren die Gescheraner jährlich, so das Analyseergebnis der „energielenker“. Mit einem Pro-Kopf-Ausstoß von zehn Tonnen lägen die Gescheraner etwas unter dem Durchschnitt in Deutschland (11,6 Tonnen). Ziel sei es, diesen Wert bis 2050 weltweit auf zwei Tonnen pro Kopf zu reduzieren. „Das ist der Job“, sagte Tippkötter und nannte mögliche Handlungsfelder.

Dass Mieter und Gebäudeeigentümer ganz konkret handeln können, zeigte Hans-Jürgen Janning von der Beratungsstelle Gronau der Verbraucherzentrale NRW auf. Der gelernte Architekt ist als Energieberater unterwegs und präsentierte die breite Palette an Beratungsmöglichkeiten rund ums Energiesparen, Sanieren und Bauen, die zum Teil kostenlos sind. Aber die Berater kommen auch ins Haus, um gegen eine geringe Gebühr einen Heiz-Check oder einen Solarwärme-Check vorzunehmen. Infos finden Interessierte unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de.

Anschließend war das Publikum, darunter etliche Gesamtschüler, gefordert. An vier Klima-Wänden wurden Ideen zu den Themen Gewerbe und Industrie, Wohngebäude, Mobilität und Öffentlichkeitsarbeit/Bildung gesammelt. Nach 45 Minuten ergab sich ein bunter Strauß: Bei der Mobilität wünschen sich die Gescheraner Carsharing, mehr und günstigeren Busverkehr, Radschnellwege und eventuell eine Reaktivierung der Bahnlinie. Von den (größeren) Unternehmen werden sich Angebote wie Jobrad und Jobticket erhofft, ein Fahrzeugpool für Mitarbeiter und ein Buffetangebot, damit sich mittags nicht jeder einzeln versorgen muss. Im Bereich Wohngebäude gehen die Vorschläge in Richtung Smart Home, Photovoltaikanlagen, Brauchwasssernutzung oder Beratungsgutscheine für Bauherren. Schüler wünschen sich Projekttage zum Thema „Wir verändern die Welt“, Ausflüge mit dem E-Bus oder Baumpflanzaktionen auf öffentlichen Flächen. Am Ende einer knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung stellte der Bürgermeister fest: „Jetzt geht’s richtig los.“

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